Jeden Samstag ein Quarantini

Seit Boris Johnson letzten März die Schließung aller britischen Theater anordnete, gab es auf Londons Bühnen weniger ein Stop and Go als einen sehr langen Stop. Wie bringen sich Londoner Theatermacher über die Zeit? Eindrücke von Schauspieler*innen, Intendant*innen und Autoren wie Dennis Kelly, Mark Ravenhill, Simon Stephens.

Roxana Silbert, Intendantin des Londoner Hampstead Theatre, erinnert sich, wie schnell letzten März alles ging: «Ich hatte gerade meine erste Spielzeit als Intendantin am Hampstead Theatre hinter mir, als die Regierung riet, nicht mehr ins Theater zu gehen. Ich sah mir einen Durchlauf von Pinters ‹Der stumme Diener› an. Als ich aus dem Probenraum kam, hatte Boris Johnson den ersten Lockdown verordnet. Ich drehte auf der Hacke um, zurück in den Probenraum und sagte der Company, dass wir das Theater schließen.

Darauf einer der Schauspieler: ‹Waren wir so schlecht?› Wir waren absolut sicher, dass wir im Mai 2020 wieder spielen würden – spätestens. Also haben wir sechs Stücke gestreamt, umgeplant, Teile der Belegschaft in Kurzarbeit geschickt. Nur der Verwaltungsdirektor war noch voll in Arbeit, weil er aus Versicherungsgründen täglich ins Theater musste. Er wurde zum bestbezahlten Hausmeister Großbritanniens. Wir hoffen immer noch, dass wir im Mai wieder spielen können – bloß zwölf Monate später.

Eine Pandemie stellt Prioritäten auf die Probe. Unsere waren, das Theater zu retten und Jobs zu retten. Wir haben geschafft, niemanden zu entlassen und haben getan, was wir konnten, um ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2021
Rubrik: International, Seite 40
von Patricia Benecke

Weitere Beiträge
Gekommen um zu bleiben

Seit einem Jahr sind die Theater, Opern- und Tanzhäuser fast durchgehend geschlossen – und haben sich darauf umgestellt, online zu senden. Als neue Normalität lehnen viele Theatermenschen das ab: «Wir sind des Streamens müde», dieser Stoßseufzer ist oft zu hören. Das Theater hängt an der physischen Kopräsenz und sehnt sich danach, zu ihr zurückzukehren, sein...

Suchlauf 5/21

2./SONNTAG
20.15, arte: Tod auf dem Nil
Spielfilm (Großbritannien 1977) von John Guillermin, mit Peter Ustinov, Jane Birkin, Bette Davis, Mia Farrow, David Niven u.a.
23.35, das Erste: Rückkehr nach Montauk
Spielfilm (Deutschland 2017) von Volker Schlöndorff, mit Susanne Wolff, Stellan Skarsgard, Nina Hoss, Isi Laborde, Bronagh Gallagher, Niels Arestrup u.a.

4./DIE...

Zuhören und Durchatmen

Im Rom des 3. Jahrhunderts soll es eine Cäcilia gegeben haben, die ein gottergebenes Leben führte, heilig gesprochen wurde, seither als Schutzpatronin der Kirchenmusik unterwegs ist und an einem Fronleichnamstag in den Jahren der europäischen Religionskriege besonders gefordert war. Drei Brüder aus den Niederlanden, so die Legende, sollen zusammen mit einem...