Höllentrips
In René Polleschs Volksbühnen-Produktion «Ich schau dir in die Augen, gesellschaftlicher Verblendungszusammenhang!» stellte Fabian Hinrichs den Zuschauern kürzlich eine vielversprechende Entlastungsmaßnahme in Aussicht: «Der Schauspieler geht nach der Vorstellung mit Ihrer Frau nach Hause; dann müssen Sie das nicht tun!» Allzu weit scheinen sich die Vorteile dieses delegierten Genusses – von diskursiven Fachkräften unter dem Label «Interpassivität» geführt – allerdings noch nicht herumgesprochen zu haben.
Bei der Auftakt-Veranstaltung der kleinen Schwerpunkt-Reihe «Perform» innerhalb der Berlinale-Sektion «Forum Expanded», die innovative Allianzen zwischen Bühnen-, Film- und Videokunst ausloten will, scheuen die Performerin Antonia Baehr und ihre Filmregie-Kollegin Isabell Spengler jedenfalls keine Mühe, die interaktiven Wechselwirkungen zwischen Leinwand- bzw. Bühnengeschehen und Publikum minutiös aufzudröseln. In einer Art rezeptionstheoretischer «Lecture-Performance» schieben sie bebrillte Pappmaché-Kameraden und selbstgebastelte vierte Behelfswände über die Bühne sowie Folien wie aus selig entrückten Geometrie-Unterrichtstagen auf einem Overhead-Projektor hin und her. Den ...
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Mülheim, An der Ruhr
Knapp drei Wochen nach dem Berliner Theatertreffen haben auch die Mülheimer Theatertage ihre diesjährige Auswahl nominiert. «Stücke 2010», die sieben wichtigsten Uraufführungen deutschsprachiger Dramentexte, überschneiden sich dabei deutlich mit der Berliner Regieauswahl:
Elfriede Jelineks «Die Kontrakte des Kaufmanns» in Nicolas Stemanns...
Auf dem Nachttisch steht eine Schale mit Obst und Schokolade. Auch an eine Wasserflasche und Bettlektüre haben die aufmerksamen Gastgeber gedacht: Neben einem Bildband über die schönsten Strände – für eine Irrfahrerin im Geiste des Odysseus keinesfalls unerheblich – liegt Ralf Rothmanns Erzählband «Rehe am Meer». Von dem inzwischen in Berlin lebenden...
Noch küssen die Gatten sich, schon hat er das Kleenex in der Hinterhand, um sich die ekligen Blutspuren vom Mund abzuwischen. Bald wird sie ihm das Blut aufs makellos weiße Hemd spucken. Alkestis muss sterben, sie tut es nicht gern. Apoll hat für Admet erwirkt, dass er einen Stellvertreter zu den Toten schicken kann. Niemand hat sich dafür bereit gefunden, der...
