Im Wörterofen
Monothematisch und zeitlos, undurchsichtig und mythisch überhöht, quälend und hoffnungsvoll ist dieser Text von David Grossman, und er liegt somit alles andere als im Trend derzeit gebräuchlicher Autorenstücke. Sein Thema ist der Verlust eines geliebten Menschen, eines Kindes, und er zeigt Schmerz, Unglück und Angst der Hinterbliebenen. Der Autor lässt vieles im Dunkeln, greift zu abgründigen Bildern und vertieft sein einziges Thema meditativ bis zur Unerträglichkeit. «Aus der Zeit fallen» ist antike Tragödie und Requiem in einem und durch und durch strapazierend.
Und trotzdem oder gerade deshalb lohnt es sich, es für die Bühne zu erschließen. Es landen nicht viele Stücke zur Uraufführung auf meinem Tisch, die universal verstehbar sind, deren Gültigkeit weltumspannend und unabhängig von historischen oder geografischen Begebenheiten ist – dies ist eines.
Eine Frau und ein Mann, deren Sohn vor fünf Jahren starb, haben sich zurückgezogen in ihr gemeinsames Haus. Aus dem Nichts heraus will der Mann plötzlich das Haus verlassen und nach seinem Sohn suchen. Nach langer Zeit sprechen die zwei miteinander; darüber, wie sie sich eingerichtet haben in ihrer Trauer, vom «Mantel des Dunkels», ...
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Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 169
von Sonja Anders
Johan Simons kann sich freuen. Im dritten Jahr seiner Intendanz werden die Münchner Kammerspiele wieder Theater des Jahres. So lösen sich künstlerische Positionen ein. An zweiter Stelle steht das Schauspiel Köln im letzten (und renovierungsgebremsten) Jahr von Intendantin Karin Beier: Rückblick auf eine Ära.
Ursprünglich hatte Charlotte Roos «Wir schweben wieder» mit dem Arbeitstitel «Brillen» überschrieben. Brillen stehen im Kontext des Stückes für eine bestimmte Weltanschauung, eine Haltung, eine gesellschaftspolitische Perspektive auf die Gegenwart. Sie stehen aber auch für mangelhaftes Sehvermögen, das die Autorin an einer Stelle als immer gleiche Kurzsichtigkeit...
Im Jahr 2003 erschien in Großbritannien Mark Haddons Roman «The Curious Incident of the Dog in the Night-Time» und wurde von der britischen Presse und Leserschaft umjubelt. 2005 erschien es dann in Deutschland unter einem Titel, der leider die neugierig machende Verschrobenheit des Originals ein wenig bieder auflöst: «Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des...
