Im Rhythmus der Zeit
Unter den drei Großstädten Sachsens gilt Chemnitz mit wenig mehr als 250.000 Einwohnern noch immer als Aschenputtel. Wahrscheinlich leidet die Stadt noch immer unter dem Nachhall jener leidigen Umbenennung im Jahre 1953, die ihr nicht nur den «Ehrennamen» Karl Marx, sondern auch den Spott der Mitwelt einbrachte, die sich höchstens auf ein schnoddriges «Kalle Malle» verstand.
Doch blieb auch ein gehörig Maß an Respekt, was die Vergangenheit betraf: Nahm in Leipzig die Aufregung um das Karl-Marx-Relief vor dem Universitätsgebäude gelegentlich groteske Züge an, hatten die Chemnitzer längst den «Nischel», die mit 7,1o m höchste Porträtbüste als lukrative Touristen-Attraktion schätzen gelernt. Schließlich wussten nur wenige Eingeweihte, dass mit der Kreation des Moskauer Bildhauers Lew Kerbel seinerzeit durchaus adäquate Entwürfe aus den Reihen des DDR-Künstlerverbandes hätten konkurrieren können.
DDR-Theatergeschichte
Dafür wurde in jenen Jahren, als die Industriestadt grau vor sich hin bröckelte, das Chemnitzer Schauspiel zu einem Mekka theaterbesessener DDR-Menschen. Junge Schauspieler übten hier erste Schritte, um wenige Jahre später überregional Maßstäbe zu setzen: Jörg ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wenn Anne Habermehl das Unglück der Welt beschwört, gibt es kein Entrinnen. In «Letztes Territorium» wurde eine schwäbische Kleinfamilie dem sozialen Druck der Urlaubsbekanntschaft mit einem afrikanischen Bootsflüchtling ausgesetzt – mit naturgemäß fatalen Folgen für beide Seiten. In «Daddy» ist die Kleinfamilie schon in verstreute Bestandteile zerlegt, bevor alles...
Markus Scheumann und Nadine Geyersbach, zwei der auffälligsten Akteure des Düsseldorfer Ensembles, spielen Kasimir und Karoline – und bleiben leider hinter ihren Möglichkeiten zurück. Beide begnügen sich mit infantilen Trotzgesten, Karoline hält sich an ihrem großen Teddybären fest, während Kasimir so steif und verkrampft über die Wies’n stolziert, als hätte er den...
Die Stimme kommt einem so bekannt vor. Ist das nicht …? Doch, das ist er: Stefan Schmidtke, der Direktor des Festivals Theaterformen in den Jahren 2007 und 2008. Vor Schmidtkes Amtsantritt hätte das hannoversch-braunschweigische Festival beinahe einen schönen Sparposten im Kulturetat der niedersächsischen Landesregierung abgegeben – dann aber wurde es, besonders...
