Im Reich der sündigen Nabel

Calderón «Das Leben ein Traum»

Theater heute - Logo

Der Mensch sei eine Bestie, behauptet der Dichter. Aber nacktbäuchig ist er doch recht lustig anzusehen, entgegnet der Theatermacher. Das ist so der Diskurs zwischen Stephan Bachmann (geboren 1966) und Pedro Calderón de la Barca (geboren 1600, gestorben 1681), den sich der Zirkuszeltbesucher in einem Park direkt am Alsterufer im eher geschniegelten Hamburger Stadtteil Eppendorf zusammenreimen darf. Gezeigt wird, als Sommertheaterproduktion des Thalia Theaters, Calderóns «Das Leben ein Traum».

Und dazu eine Menge nackte Männeroberkörper und lustige Akrobatik, Jahrmarkts­palaver und Nebelmaschinenklamauk.
 

Norman Hacker spielt proper flachbäuchig den polnischen Königssohn Sigismund, der in Calderóns Bühnenmärchen vom eigenen Vater in einen dunklen Turm im Wald gesperrt wird: wegen der bösen Prophezeiung, der junge Kerl werde als Herrscher nur Unheil anstiften. Hier ist der reife Knabe nicht in einen Turm gekerkert, sondern schmort in einer unter dem Zirkusdach festgezurrten riesigen Gitterkugel. Markwart Müller-Elmau poltert den alten King als Doppel-Klumpfuß auf die Bühne; das heißt, er hat derart monströse Plateausohlen unter seinen Schuhen, dass er jedesmal von drei Dienern auf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2008
Rubrik: Chronik, Seite 72
von Wolfgang Höbel

Vergriffen
Weitere Beiträge
Was wir sind, finden wir nicht

Klaus Michael Grüber starb am 22. 6. 2008 in Le Palais auf der bretonischen Insel Belle-Île-en-Mer, gerade eben 67 Jahre alt geworden, geboren am 4. 6. 1941 im schwäbischen Neckarelz. Die Todesanzeige nennt ihn Regisseur und Ritter der französischen Ehrenlegion. Zwei Brüder und eine Schwester haben unterzeichnet, dazu die Lebensgefährtin. «Seine Asche haben wir am...

Lustvoll ausgepeitscht

Schwierige Sache, die Freiheit. Kaum sagt keiner mehr, wo’s langgeht, geht alles durcheinander. Die alte Mam (Heidemarie Rohweder in einem Kurzauftritt) hat ihr Leben ausgehaucht, und vier ihrer Arbeitssklaven heben den Leichnam an, um ihn wegzutragen – aber jeder will in eine andere Richtung. Kurzes Zerren, Stolpern, Stutzen. Dann weist Noch-Vorarbeiter Stanley...

Der Anti-Pate

Sabine Heymann «Gomorra» ist als Theaterstück von Ihnen und Roberto Saviano vierhändig verfasst worden, auf der Basis von Savianos Erfahrungsbericht und Bestseller «Gomorrha». Sie sind Freunde, woher kennen Sie sich?

Mario Gelardi Roberto ist 12 Jahre jünger als ich, er ist 28. Wir haben uns durch Zufall kennen­gelernt, als ich mich selber mit der Camorra...