Im leuchtend schwarzen Frack
Ganz ehrlich, vor vier Jahren hätte ich nicht unbedingt darauf gewettet, dass der blauäugige Junge mit dem verstrubbelten Blondschopf, der da mit Charme und Chuzpe zum ersten Mal in einer Hauptrolle über die Bühne des Münchner Residenztheaters hechtete, schon bald als Ausnahmespieler von sich reden machen würde.
Gefeiert wurde er schon damals von seinem jugendlichen Publikum als tapferer Underdog im Familienstück «Pünktchen und Anton», aber man muss wohl den Röntgenblick eines Regisseurs besitzen, um erkennen zu können, wie viel Lust und Potenzial, sich über das gewohnte Maß hinwegzusetzen, in einem sympathischen Kindskopf stecken.
Hassliebeserklärung an den Kulturbetrieb
Mittlerweile hat Franz Pätzold einige Extremeinsätze hinter sich gebracht und dabei ganz andere Seiten von sich zum Vorschein kommen lassen. Trotzdem zählt er Thomas Birkmeirs Kästner-Inszenierung noch immer zu den wichtigen Arbeiten in seiner jungen Laufbahn, weil er da zum ersten Mal so richtig Verantwortung übernehmen konnte – «ob für Kinder oder Erwachsene, das ist ja egal. Wichtig sind für mich Produktionen, wo ich selber das Gefühl habe zu wachsen, mir die Zähne auszubeißen». Von denen gab es in den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2016
Rubrik: Akteure, Seite 52
von Patricia Benecke
Schluss. Aus. Ende. Am 19. Juni ein letzter «Liebestrank», seitdem ist es still im Großen Haus des Theaters Augsburg. Der Grund für die vorzeitige Schließung: Untersuchungen zur geplanten Sanierung förderten bisher unbekannte massive Mängel beim Brandschutz zu Tage. Für Intendantin Juliane Votteler und ihr Team bedeutet das, überstürzt nach Ausweichspielstätten zu...
Der ungarische Musiktheaterregisseur David Marton steht für eine musikalisch unverkrampfte Herangehensweise an das immer noch weitgehend sakrosankte Heiligtum bürgerlicher Hochkultur. Oper nicht durch Bebilderung zu interpretieren, sondern aus der Partitur heraus in Kombination mit den speziellen musikalischen Fähigkeiten der jeweiligen Mitwirkenden neu...
Die meist älteren Damen und Herren des Publikums hatten es sich im gedämpften Deko-Klassizismus des oberen DT-Foyers bequem gemacht, der Hausherr Ulrich Khuon sprach zur Eröffnung vom Theater, in dem es auf jeden Fall ums Ganze, mindestens aber den ganzen Mensch und die ganze Welt gehe, und alles wartete nur noch gespannt auf die obligatorische...
