Im leuchtend schwarzen Frack
Ganz ehrlich, vor vier Jahren hätte ich nicht unbedingt darauf gewettet, dass der blauäugige Junge mit dem verstrubbelten Blondschopf, der da mit Charme und Chuzpe zum ersten Mal in einer Hauptrolle über die Bühne des Münchner Residenztheaters hechtete, schon bald als Ausnahmespieler von sich reden machen würde.
Gefeiert wurde er schon damals von seinem jugendlichen Publikum als tapferer Underdog im Familienstück «Pünktchen und Anton», aber man muss wohl den Röntgenblick eines Regisseurs besitzen, um erkennen zu können, wie viel Lust und Potenzial, sich über das gewohnte Maß hinwegzusetzen, in einem sympathischen Kindskopf stecken.
Hassliebeserklärung an den Kulturbetrieb
Mittlerweile hat Franz Pätzold einige Extremeinsätze hinter sich gebracht und dabei ganz andere Seiten von sich zum Vorschein kommen lassen. Trotzdem zählt er Thomas Birkmeirs Kästner-Inszenierung noch immer zu den wichtigen Arbeiten in seiner jungen Laufbahn, weil er da zum ersten Mal so richtig Verantwortung übernehmen konnte – «ob für Kinder oder Erwachsene, das ist ja egal. Wichtig sind für mich Produktionen, wo ich selber das Gefühl habe zu wachsen, mir die Zähne auszubeißen». Von denen gab es in den ...
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Theater heute August/September 2016
Rubrik: Akteure, Seite 52
von Patricia Benecke
Normal Theatre Is Boring» steht auf dem Pappschild, das eine Performerin mit grellbuntem Rock und strammen Zöpfen ins Publikum streckt. Nein, langweilig ist dieser Theaterabend keineswegs: Die Zuschauer hocken auf plastikbezogenen Kissen am Boden, sie tragen Regenponchos und Ohrstöpsel gegen die künstlerischen Zumutungen von Toco Nikaido und ihrer Gruppe Miss...
Silvia Fenz schien sich ausschließlich von Luft und Liebe zu ernähren, so zart und klein sah sie aus. Dabei hatte ihr die Liebe persönlich gar nicht so viel Glück gebracht. Seit ich sie kennengelernt hatte, vor mehr als 20 Jahren, war sie auf der Suche nach ihr und hat sie, die einmal Verlorengegangene, doch nie so richtig wiedergefunden. Vielleicht inhalierte sie...
Schon eine einzige entstandene Mädchenschule in Afghanistan rechtfertigt den ISAF-Einsatz», sagt die Performerin, während die mutmaßliche Urheberin dieser Worte, eine 23-jährige afghanische Studentin und Aktivistin aus analphabetischem Hause, unbewegt von der Videoleinwand blickt. Nur wenige Minuten später wird ihr in «Conversion/Nach Afghanistan» widersprochen:...
