Im Kies der Geschichte

Roland Schimmelpfennigs «See aus Asche – Das Lied der Nibelungen», uraufgeführt in Worms am Rhein (der Stückabdruck liegt diesem Heft bei)

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Schon eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn ist Hagen bei der Arbeit: Wolfram Koch schippt vor der Wormser Domfassade missmutig mit seiner roten Schaufel einen Schwung Kies nach dem anderen einigermaßen ziellos von der Stelle. Die Plackerei macht in der Summe keinen großen Unterschied bei dem großen Geröllhaufen, auf dem er steht. Von Fortschritt kann dabei keine Rede sein, eher: muss ja. Enthusiasmus sieht anders aus.

Andererseits ist die müde Schaufelei absolut verständlich, denn diese ganze Nibelungen-Geschichte ist, nehmt alles nur in allem, eine reichlich trostlose Story, die in der Domstadt am Rhein Jahr für Jahr umgegraben wird. Wer hat sich diese Doomsday-Geschichte ausgedacht, und warum feiert man sie immer noch so geduldig – auch und vor allem in Worms?

Roland Schimmelpfennigs 2025er Nibelungen-Überschreibung spannt den ganz großen Bogen. Sein «See aus Asche – Das Lied der Nibelungen», so Titel und Untertitel, hält sich eng an die Stoffvorgaben des Nibelungenlieds aus den überlieferten Handschriften des 11. Jahrhunderts und blättert den verzweigten Sagenkorpus auf: von Siegfrieds Aufbruch in Xanten, Hagens Erblindung in der Weltesche, den Riesen-Streit um den ...

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Theater heute Oktober 2025
Rubrik: Das Stück, Seite 54
von Franz Wille

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