Illustrationen der Sinnlosigkeit
Ein Mann steht splitternackt auf der dunklen Bühne. Nackt und unschuldig, so, wie wir alle auf die Welt kommen. Merlin Sandmeyer spielt in Hamburg dieses unbeschriebene Blatt, das der Versicherungsprokurist Josef K. gewesen sein mag, bevor er eines morgens in Anwesenheit zweier fremder Männer erwacht, die ihm mitteilen, dass er verhaftet sei. Sandmeyer zieht ein Kleidungsstück nach dem anderen an, während die in vier Segmente geteilte Drehbühne kreist wie ein Mahlwerk (Bühne Hendrik Ahr) und doch fast flüssig wirkt unter den psychedelischen Farbprojektionen von Rasmus Rienecker.
Da lugt auch schon Johannes Hegemanns freundlicher Wärter Franz durch ein Loch in der Wand, während im Hintergrund sein Kollege Willem (Falk Rockstroh) irre lacht. Warum verhaftet, wozu und von wem? Die Wärter, die ganz am Ende der Inszenierung zu Henkern werden, wissen es selbst nicht.
In Köln sieht dieselbe Szene ganz anders aus. Auf einer Projektionsfläche in Form eines überdimensionalen platten Faltkartons ist K.s Zimmer aus verschiedenen Perspektiven wie in einer Computeranimation zu sehen: von der Seite, von oben, mit Blick auf die Tür. Es sieht so clean und unpersönlich aus wie von einer KI ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 9
von Eva Behrendt
Theater heute Im Programmheft zur Essener Uraufführung von «Doktormutter Faust» sagen Sie den schönen Satz: «‹Faust› ist der Text, der mir in der Schulzeit das Lesen versaut hat.» Was war das Problem: die Knittelverse, der Plot?
Fatma Aydemir Ich glaube, das Furchtbare war das Unzugängliche daran und die trockene Aufbereitung im Unterricht. Ich wünsche mir, dass...
AACHEN, GRENZLANDTHEATER
27. Schmidt nach Dusse, Achtsam Morden
R. Ingmar Otto
ALTENBURG/GERA, THEATER
21. Kressin und Oldenstein, √My – Episode II: Finsternis unter der Kuppel
R. Manuel Kressin und Sophie Oldenstein
ANNABERG-BUCHHOLZ, EDUARD VON WINTERSTEIN THEATER (ETO)
13. Castro, Ab in den Schrank
R. Felix Metzner
BADEN-BADEN, THEATER
20. Lewis, Sayer und...
Da stehen sie also an der Rampe, ätzen über die mediale «Jedermann»-Aufregung, über «Sebastian» und seine Chat-Egomanie – unschwer als österreichischer Ex-Kanzler erkennbar, der wegen mutmaßlichen Falschaussagen vor Gericht steht –, die Koks-Partie bei Nobel-Caterer Do & Co und Burgtheaterdirektor «Martin K.», der ohnehin nie da sei. Im Original findet man diese...
