Europa an der Elbe
Schon zum achten Mal fand im November das Fast-Forward-Festival statt, gegründet 2011 in Braunschweig und von Intendant Joachim Klement beim Amtsantritt vor einem Jahr an die Elbe mitgenommen. Sieben Jahre lang hatte Barbara Engelhardt das erfolgreiche Festival mit Arbeiten junger europäischer Regisseure kurz nach Abschluss der Ausbildung versorgt, dieses Jahr übernahm Charlotte Orti den Stab, Chefdramaturgin in Baunschweig, in Dresden rührige Gastspielorganisatorin und Kuratorin.
150 Aufführungen hat sie gesehen, acht brachten es zur Einladung: ein Spiegel der Unterschiede und Gemeinsamkeiten szenischer Nachwuchs-Arbeiten in Europa.
Recherchetheater
Die auffälligste Gemeinsamkeit dieses Festivals war allerdings eine Abwesenheit: Der drohende Zerfall Europas, das Erstarken rechter Bewegungen ist offenbar kein Thema, das die eingeladenen jungen Kosmopoliten umtreibt, die sich so glänzend über alle Sprachgrenzen hinweg auf Englisch verständigen – beim großen Feedback-Treffen am letzten Festivaltag stellte die Simultanübersetzerin ihre Arbeit ein, es gab keinen Bedarf.
Die Produktionen, die sich politisch nennen konnten, gehörten zum dokumentarischen Recherchetheater, und sie ...
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Theater heute Januar 2019
Rubrik: Festivals, Seite 48
von Barbara Burckhardt
Wenn vor der Premiere die Intendantin auf die Bühne kommt, ist das meistens kein gutes Zeichen. Wenn vor der Premiere von «Die Revolution frisst ihre Kinder!» die Schauspielerin Evamaria Salcher auftritt und sich als Intendantin vorstellt, ist das die erste Pointe des Abends. Salcher behauptet nicht nur, Intendantin zu sein, sondern auch, dass die Premiere abgesagt...
Zu ikonischer Prominenz hat es vermutlich nur der «Nachtmahr» gebracht. Das Gemälde, das ein kompaktes braunes Teufelchen auf der Brust einer etwas überstreckt dahingegossenen Schlafenden zeigt, flankiert von einem Rappenschädel mit glimmenden Augen, gilt als ein Vorzeigekunstwerk der Gothic Art. Tatsächlich täte man Johann Heinrich Füssli, dem Schweizer Schöpfer...
Als sie ihn sieht, erstarrt sie. Ihr Bruder Thomas Sankara trägt die charakteristische rote Kappe und Camouflage-Anzug, ein leichter Schweißfilm bedeckt sein Gesicht. Er blinzelt. Tränen treten in die Augen von Blandine, seiner jüngeren Schwester, heute 51 Jahre alt, Leiterin der Biofarm «Yelemani» (Veränderung). Sie überragt die Puppe um mehr als das Doppelte....
