Hoffnung oder nicht Hoffnung
Klar: Der dänische Königshof ist auch nicht mehr das, was er mal war! Schloss Helsingør? Eine Industriehalle mit Bunker-Appeal an einer Ausfallstraße, flankiert von Panzersperren, Geschützen, Fahnenmasten. Drinnen: adäquater Militär-Charme. Eine gläserne Aufsichtskanzel hoch über dem Hallenboden weckt zuverlässig beklemmende Kontrollposten-Assoziationen: «Überwachen und Strafen» at its worst. Und auch die innermonarchischen Familiengespräche drehen sich auffällig oft um den Krieg.
Der frisch an die Regierungsspitze aufgestiegene Brudermörder Claudius und seine Ex-Schwägerin sowie Neu-Gattin Gertrud machen keinen Hehl daraus, was sie von den Nachgeborenen erwarten: die bedingungslose Verteidigung ihres heruntergerockten Erbes, nach Lage der Dinge natürlich auch mit Waffengewalt.
Kurzum: Der ehemalige Militärflugzeughangar, den Marcel Kohler als Aufführungsort auserkoren hat, spielt eine tragende Rolle für seine «Hamlet»-Inszenierung zum Auftakt des Lausitz Festivals in Cottbus. Die Alten, so Kohlers Shakespeare-Lesart, haben den Karren kilometertief in den Dreck gefahren, und die Kinder – Hamlet, Horatio, Laertes, Ophelia – sollen ihn unter Einsatz ihres Lebens herauszerren, wobei ...
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Theater heute Oktober 2026
Rubrik: Festivals, Seite 32
von Christine Wahl
«Krieg ist die Hölle», wusste schon General Sherman im amerikanischen Bürgerkrieg, das habe aber die Menschheit nicht davon abgehalten, die Erde regelmäßig in eine Hölle zu verwandeln. Dabei gilt diese Feststellung nicht nur für die Front selbst, sondern auch für das Leben der Menschen fernab in einem kirgisischen Dorf während des Zweiten Weltkriegs, das im Zentrum...
«Es gibt diese Tage, an denen liebe ich es, mein Hirn zu füttern, und solche, an denen ich sauer bin auf Arte, weil mich allein die Idee eines Kultursenders überfordert», gesteht die Schwarze Performerin Simone Dede Ayivi im zweiten Band der Jubiläumspublikation «Sophiensaele Forever». Künstler:innen sollten nicht nur im eigenen Bereich an Veränderungen arbeiten,...
Dem Teufel ist langweilig. Das liegt zwar in der Natur der Sache, aber dass er deshalb das Publikum gleich zu Beginn der Vorstellung noch vor dem roten Vorhang zum Mitmachen animiert, hat ungeahnt neue ADHS-Züge. Marie-Luise Stockinger gibt mit abnehmbaren Rinderhörnern Anweisungen zum Klatschen und zum Fingerschnalzen. Sie sagt: «Wie klingt Chaos?» Dann müssen wir...
