Den Mund verbieten
Die Herren nehmen an der Rampe Aufstellung und machen Front: gegen die Konvention der Konversations-Komödie bis zur vollständigen Niederlage kommunikativen Handelns. Der Erlösung, die in Oscar Wildes «Bunbury» aus Jack Worthing doch noch einen Ernst macht und ihn – demaskiert – der Ehe zuführt, verbietet Thirza Bruncken gewissermaßen den Mund. Die Darsteller drücken die Hände vors Gesicht und bringen in dieser Selbstknebelung nur stammelnd Gepresstes hervor. Der Text erscheint oberhalb des Portals auf einem Laufband und trennt somit Sprecher und Sprache.
Letzter Akt der vollständigen Auflösung von Verstehen, Verständigung und Verstand. Die verbindliche Übereinkunft, sich miteinander sinnvoll auszutauschen, und sei es in Floskeln und der Form halber – den Common Sense vertritt snobistisch Lady Bracknell (Eva Spott) –, gerät am Gemeinschaftstheater Krefeld/Mönchengladbach außer Facon.
Es beginnt damit, dass die Identität von Jack (Cornelius Gebert) und seinem Freund Algernon (Paul Steinbach) um ihr Exklusivrecht gebracht wird. Sie haben sich um zwei weitere Anzugträger verdoppelt – gleich gekleidet in Schwarz, mit Melone und roter Krawatte – und damit entseelt, verdinglicht und ...
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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Andreas Wilink
Der Feldforscher Alfred Loth, den Matthias Redlhammer redlich spielt, weder im positiven noch im negativen Sinn besonders überschwänglich – dieser also ziemlich langweilige Loth trifft im Partyzelt, wo man Champagner und Austern meist im Stehen verzehrt und Abfälle auf den Boden kippt, auf eine bunt gemischte, kaputte Truppe: Da wäre der Ingenieur Hoffmann,...
Sie ist die Grande Dame der deutschen Bühnenverlage, er der Dandy der deutschen Theaterwissenschaft: Maria Sommer, 90, leitet bis heute den Gustav Kiepenheuer Bühnenvertrieb. Im Gespräch erzählt sie von ihrem Einsatz für die Urheberrechte und ihrer Freundschaft mit Günter Grass, Christa Wolf und George Tabori.
Andrzej Wirth, 85, übersetzte mit Marcel Reich-Ranicki...
Theater heute Frau Sommer, Sie sind gerade 90 Jahre alt geworden und haben als Theaterverlegerin in Berlin, hier in Ihrem schönen Dahlemer Verlags- und Wohnhaus, noch immer einen Zwölfstunden-Arbeitstag. Mit jener unermüdlichen Energie, die Sie offenbar schon früh angetrieben hat. Unmittelbar vor Kriegsende haben Sie mit kaum 23 in Berlin noch Ihr Studium der...
