Helden am Ende

Sebastian Nübling rollt in Zürich die Clan-Tragödie um «Ödipus und seine Kinder» neu auf, Frank Castorf blättert in «Die schwarze Spinne» nach Gotthelf. Von Stephan Reuter

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Die Sau mampft. Warum auch nicht? Wenn ein Berliner Volksbühnenintendant schon mal Bauerntheater macht, dann gehört grunznatürlich ein richtiges Schwein auf die Zürcher Schauspielhausbühne. Die Hebamme trägt ja auch einen richtigen Oberlippenbart, und hätte sie nicht diesen schrecklichen Gouvernantenhut umgebunden, man würde sie glatt für den Schauspieler Marc Hosemann halten. Jedenfalls soll sie sich wohlfühlen, die Sau.

Woh­ler als die linkische «deutsche Hilfskraft» Gerti (Franz Beil), die sich beim Taufgelage des Em­men­taler Bauern verdingt und nun vom Paten, dem sprachlich wie gestisch hyperaktiven Hans Schenker, reichlich Deutschen-Witze eingeschenkt kriegt.

Ganz so krass wird das der Pfarrer Albert Bitzius mit der Fremdenskepsis nicht gemeint haben, damals, 1842, als er gottesfürchtigen Schweizern unter dem Pseudonym Jeremias Gotthelf seine Gru­selgeschichte «Die schwarze Spinne» zu lesen gab, ein erbauliches Mahnmal vor Augen und nichts­ahnend, dass der notorische, aber auch abgestumpf­te Theaterrebell Frank Castorf seine sagenhafte Er­zählung dereinst auf eine Art durchlöchern würde, bis am Ende der ganze Gotthelf durchplumpst. Von der Novelle bleibt nur das Notdürftige ...

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Theater heute März 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 27
von Stephan Reuter

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