Von Dichtern und anderen Schweinen
Kann man ein Stück, in dem ein kleines Mädchen stirbt, als Komödie bezeichnen? August Strindberg konnte. Auf den ersten Blick erfüllt sein Künstlerdrama «Rausch» (1899) aber auch alle Kriterien einer Komödie: Schauplätze des rund um eine Theaterpremiere angesiedelten Stücks sind verschiedene Pariser Bars und Restaurants, die Handlung ist eine Dreiecksgeschichte unter Künstlern. Der Dramatiker Maurice spannt seinem besten
Freund, dem Maler Adolphe, dessen Freundin Henriette aus. So weit, so Boulevard.
Bei Strindberg aber wird daraus eine zutiefst katholische Tragödie um Schuld und Sühne. Das Techtelmechtel stilisiert der Autor zum Sündenfall, die bösen Gedanken der Verliebten – deren Glück Maurices uneheliche Tochter im Weg steht – werden mit der Höchststrafe vergolten: Das Kind stirbt, und aus dem Theaterjungstar wird über Nacht ein Mordverdächtiger. Das Ende ist dann wieder Komödie: Maurice, eben noch ganz armer Sünder, wird entlastet – und alles wird wieder gut.
Es sind seine Brüche und Widersprüche, die «Rausch» so modern und spannend machen. Zugleich sind sie aber wohl auch der Grund dafür, dass das Stück selten aufgeführt wird: Es ist schwer, hier die richtige Mischung aus ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2011
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Wolfgang Kralicek
Wenn er dann Solveig trifft, die für den Rest des Stücks eine Weltreise lang auf ihn wartet, wird er gar zum Vergewaltiger. «Und höre nur, wie bös er war:/er peitschte, ach, sein Gretchen gar», möchte man mitfühlend murmeln, wenn der Frankfurter Peer Gynt über das arme Mädchen herfällt, ist im Moment aber noch gefangen vom Überwältigungstheater, mit dem der...
Wie hieß es titelstiftend in dem großen Suhrkamp-Gedichtband, den Katharina Thalbach und Fritz J. Raddatz 2002, ein Jahr nach dem Tod von Thomas Brasch, aus seinem Nachlass herausgegeben haben? «Wer durch mein Leben will, muß durch mein Zimmer.» Filmemacher Christoph Rüter ist hindurch gegangen mit seinem Porträt «Brasch – Das Wünschen und das Fürchten», das soeben...
Ich habe im alltäglichen Gewusel Ihre Anfrage vergessen, jetzt fällt sie mir siedendheiß wieder ein und …Nein, zu diesem Thema habe ich nichts Flammendes zu sagen. Es beschäftigt mich nicht besonders; zudem ist das Theater ja ein Spiegel der Gesellschaft und offenbart also auch in dieser Hinsicht wahrscheinlich nichts anderes als allzu allgemeine Probleme.
Ich...
