Harlekinade?
Es ist ein triumphaler Auftritt. Als Günther Heeg, Gerda Baumbach und Patrick Primavesi, alle drei Professoren für Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig, die Bühne des Schauspielhauses betreten, begrüßt das vollbesetzte Haus die drei wie Popstars. Versammelt haben sich neben zahlreichen Studierenden auch die kulturelle Elite der Stadt. Auch zahlreiche Politiker waren gekommen, um den Überlebenskampf des Instituts für Theaterwissenschaft zu unterstützen. Denn um nichts weniger geht es derzeit an der Leipziger Uni.
Das Rektorat hat Ende Januar den planmäßigen Abbau von 24 Stellen an der Universität verkündet und bei der Theaterwissenschaft sollen bis 2020 drei der vier Professuren sowie zwei weitere Mitarbeiterstellen gestrichen werden. Lediglich der Lehrstuhl Tanz von Patrick Primavesi bliebe erhalten. Begründet wird dies mit geheimen Evaluationen und Profilierungsbestrebungen, doch der Grund ist wohl wesentlich banaler: Die genannten Stelleninhaber gehen demnächst alle in den Ruhestand, und so kann man sie einfach geräuschlos auslaufen lassen. Gestrichen werden sollen zudem die Klassische Archäologie und die Physikalische Chemie sowie zwölf Azubi-Stellen.
Im ...
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Theater heute März 2014
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Torben Ibs
«Kabale und Liebe» ist eine sichere Bank für die Stadttheater. Infolge verunglückter Bildungsreformen werden die schulischen Theaterbesuche nämlich so bald nicht abreißen. Wäre da nicht die Krux mit der ständigen Neuauflage. Denn was lässt sich diesem landauf, landab gespielten Oberstufenstoff noch an Zeitgeist abringen?
Am Schauspiel Köln hat sich Simon Solberg...
Das neue Gorki brummt. Jeder einzelne Abend sei ausverkauft, strahlt Chefdramaturg Jens Hillje. Das Publikum ist um gefühlte zwanzig Jahre verjüngt. Nicht nur an diesem Abend, zweite Vorstellung von Falk Richters «Small Town Boy», mit dem das sehr gezielte Anpeilen von (riesengroßen) Randgruppen, die das Gorki unter Shermin Langhoffs Intendanz seit November...
Hätte Suhrkamp in den vergangenen 30 Jahren mehr Titel wie Isabel Allendes Debütroman «Das Geisterhaus» (1982) verlegt, wäre der Verlag heute wahrscheinlich nicht in der Krise. Der autobiografisch unterfütterte Familienroman war ein Weltbestseller. Erzählt wird die Geschichte Chiles von den 1920er Jahren bis zum Militärputsch 1973 durch General Pinochet; mit dem...
