Gut essen und in Frieden schlafen
Es ist nicht gerade ein schwerer Médoc, den die Requisite des Maxim Gorki Theaters der genussfreudigen Danton-Kommune abgefüllt hat. Umso bombensicherer hat sie die Flaschen mit der himbeersaftdünnen Plörre wieder verkorkt, und Johann Jürgens, einer der revolutionären Mitbewohner, muss etliche jakobinische Verrenkungen auf sich nehmen, um dem französischen Nationalgetränk näher zu kommen. Ohne Erfolg.
Schließlich verliert er die Geduld und brüllt: «Das ist ja Terror hier!»
Diese kleine Slapstick-Nummer samt kalauernder Pointe spielt in Sebastian Baumgartens Büchner-Inszenierung rund um die Radikalisierung zur «Terreur» des Revolutionsjahres 1794 nur eine unbedeutende Nebenrolle. Trotzdem beschreibt sie treffend den gängigen Umgangston, den das Regietheater der um 1970 Geborenen heute mit Revolution, Utopie und Weltverbesserung pflegt, den Lieblingsdauerthemen des deutschen Theaters: Volle Pulle ins Pathos mag sich verständlicherweise keiner mehr stürzen – jedenfalls nicht in einer Bundesrepublik, in der sich die Jakobinerträume («Was die Leute wollen, ist essen und in Frieden schlafen») doch weitgehend erfüllt haben. Aber warum bringen Regisseure wie Sebastian Baumgarten und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Fernsehen
Dienstag, 1.
12.25, Theaterkanal: verliebt - verirrt - verwirrt – integratives Theaterprojekt nach Shakespeares «Sommernachtstraum», Eisenhans Theatergruppe des Thalia Theaters, Hamburg
19.00, Theaterkanal: Theaterlandschaften: Deutsches Theater in Göttingen – mit Esther Schweins
22.25, 3sat: FOYER – Das Theatermagazin – mit Esther Schweins
1.00,...
Unlängst war ich am Theater Essen während einer Performance des bildenden Künstlers Jonathan Meese sein Gesprächspartner. Von meiner Rolle als Moderator kann ich nur mit einem gewissen Schweigen in der Stimme sprechen, und doch eröffnete sich eine Form von anregendem Dialog, in dessen Zentrum das gemeinsame Hören und Deuten
verschiedener Kapitel aus Homers...
Kassandra ist eine Metapher. Das Stück handelt nicht vom Trojanischen Krieg, sondern vom Schicksal afrikanischer Boat People, die unter Lebensgefahr die Flucht nach Europa wagen. Der Name im Titel meint keine bestimmte Figur, sondern ein Phänomen: Es gibt Situationen, in denen Aufklärung zwecklos ist, wenn nicht sogar kontraproduktiv. Kassandra hat bei Kevin...
