Grobiane und Westenträ
Die Revolution ist ein ambulanter Zustand. Sie duldet kein Sich-Einrichten. Ihre Führer sitzen am besten auf gepackten Kisten – wartend wie auf die lange Bank geschoben für einen kurzen Prozess, der ihnen gemacht wird. Wenn sich mit pathetischer Geste der rote Vorhang rafft, liegt die Bühne des Schauspielhauses Bochum im Dunkel. Die Konturen eines zu Paaren geordneten Gruppenbildes sind erkennbar, mehr nicht; ganz zart und zaghaft klingt ein Volkslied an: «Komm, ende meine Not, sonst hilft mir nur der Tod.» Zur Ouvertüre ist der Grabgesang angestimmt – «Dantons Tod» als Requiem.
Nachdem es hell wurde, erblicken wir einen Lagerraum, den der Intendant Elmar Goerden als Ausstatter mit etlichen Umzugsutensilien gefüllt und aus Pressspan errichtet hat. Alles verpackt, provisorisch und «fragile». Um Zeiten wie diese heil durchzustehen, braucht es robuste Naturen. Andere können leicht zerbrechen. Die Kombattanten um Danton scheinen schon einen Knacks weg zu haben. Die Kisten und Kästen erinnern an Särge. Aber weil sich bei Grab auch ein Reim auf Schoß machen lässt, sind die Männer eifernd damit beschäftigt, den sich spreizenden Grisetten und Dirnen, die sich selbst wie erotische ...
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Mit einer Art schauspiellosem Schauspiel ist Richard Maxwell aus Fargo, North Dakota, zu Ruhm und Ehren gelangt. Seine Inszenierungen «House» (1999), «Caveman» (2002) und viele andere sind über Festival-Bühnen von New York bis Oslo getourt, weil ihre Protagonisten eine hochkomische Form US-amerikanischer Apathie verkörperten: Provinzgestalten vom unteren Ende...
Die mit breiten Latten notdürftig verschalten Wände der Arbeitsagentur sind provisorisch geweißt. In der Mitte des Raums ragt ein Ding aus dem Boden, das eher einer stählernen Notrufsäule als einem Nummernautomaten gleicht. In der rechten Ecke steht einer dieser braunen, mannshohen Kaffeeautomaten, die dünnwandige Plastikbecher auswerfen. Ein Relikt aus Zeiten,...
Zurück in die Metropole wollen sie. Dahin, wo die Partysonne lacht, die Hauptstadt groovt, wo die Karriere winkt und das eigene liebe Leben, so hoffen sie, irgendwie zentrierter wirkt. Jedenfalls nicht so nebensächlich, nicht so stockend wie in der Provinz, wo sie ihr Haus zum Mittelpunkt der kulturell Kultivierten gemacht haben, ohne dass ihnen das noch viel...
