Grobiane und Westenträ
Die Revolution ist ein ambulanter Zustand. Sie duldet kein Sich-Einrichten. Ihre Führer sitzen am besten auf gepackten Kisten – wartend wie auf die lange Bank geschoben für einen kurzen Prozess, der ihnen gemacht wird. Wenn sich mit pathetischer Geste der rote Vorhang rafft, liegt die Bühne des Schauspielhauses Bochum im Dunkel. Die Konturen eines zu Paaren geordneten Gruppenbildes sind erkennbar, mehr nicht; ganz zart und zaghaft klingt ein Volkslied an: «Komm, ende meine Not, sonst hilft mir nur der Tod.» Zur Ouvertüre ist der Grabgesang angestimmt – «Dantons Tod» als Requiem.
Nachdem es hell wurde, erblicken wir einen Lagerraum, den der Intendant Elmar Goerden als Ausstatter mit etlichen Umzugsutensilien gefüllt und aus Pressspan errichtet hat. Alles verpackt, provisorisch und «fragile». Um Zeiten wie diese heil durchzustehen, braucht es robuste Naturen. Andere können leicht zerbrechen. Die Kombattanten um Danton scheinen schon einen Knacks weg zu haben. Die Kisten und Kästen erinnern an Särge. Aber weil sich bei Grab auch ein Reim auf Schoß machen lässt, sind die Männer eifernd damit beschäftigt, den sich spreizenden Grisetten und Dirnen, die sich selbst wie erotische ...
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Barbara Burckhardt Seit Ihrem Episodenfilm «Lichter» (s. TH 4/03) haben Sie verstärkt und wohl mehr als jeder andere deutsche Filmregisseur mit Theaterschauspielern gearbeitet. Manche haben Sie erst fürs Kino entdeckt, wie August Diehl für das Hacker-Drama «23», der auch in «Lichter» spielte, zusammen mit Devid Striesow, den wir vorher auch nur aus dem Theater...
Es ist umsonst. Egal, was der Tänzer im blauen Ringelshirt mit dem Laib Brot in der Hand auch anstellt, es wird ihn nicht satt machen. Er drückt das Brot kräftig an seine Brust, klemmt es sich unters Kinn, versucht es mit geballter Kraft zu brechen, bis er schließlich mit seinen Fingernägeln auf ihm herum kratzt, dass es einem kalt den Rücken runter läuft....
Eine Renaissance seines Theaters wird es nie mehr geben. Man kann sich nur noch mit Hilfsmitteln daran erinnern, was Tadeusz Kantor auf der und für die Bühne bedeutet hat: Video-Mitschnitte der Aufführungen, endlose Reihen von (Schwarz-Weiß-)Fotos, Manifeste, Partituren, Skulpturen, Kostüme, Bühnenbilder, Grafiken und Emballagen – Relikte, allein in «seiner» Stadt...
