Mathias Lodd (Anton) und Tamara Semzov (Martina); Foto: Lupi Spuma/Schauspielhaus Graz
Graz, Wien: Meine rote Grütze ess’ ich nicht!
Das erste abendfüllende Theaterstück des Grazer Romanciers Clemens J. Setz sieht einfacher aus, als es ist. Auf den ersten Blick haben wir es bei «Vereinte Nationen» (Stückabdruck in TH 4/17) mit einem well-made Play zu tun: realistisches Setting, klar definierte Figuren, saubere Dialoge. Die Handlung wiederum lässt auf ein medienkritisches Zeitstück schließen: Ein junges Paar filmt die autoritären Erziehungsmaßnahmen, mit denen es seine siebenjährige Tochter malträtiert, und verkauft die Filme im Internet.
Tatsächlich aber ist das Stück komplexer und auch komplizierter.
Inhaltlich ist gar nicht so klar, worum es eigentlich geht: Um die Auswüchse von öffentlich gemachtem Privatleben? Um überforderte Eltern und schwarze Pädagogik? Oder doch um Graubereiche der Kinderpornografie? Mit sardonischem Humor treibt der Autor ein böses Spiel mit Tabus und Klischees, eindeutige Botschaften verweigert er bewusst. Dazu kommt, dass «Vereinte Nationen» nicht wirklich well-made ist, zum Beispiel gibt es keinen richtigen Schluss. Man kann das Stück jedenfalls nicht einfach so vom Blatt spielen, das hat schon die Mannheimer Uraufführung (Regie: Tim Egloff) unfreiwillig deutlich gemacht.
Auch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2017
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Wolfgang Kralicek
Was sind das für Orte, wo hat man sie schon einmal gesehen? Am Schwarzen oder am Kaspischen Meer vielleicht? Vergessene Siedlungen am Wasser, aufgelassene Häfen. Draußen auf der trüben See verrostete Ölförderanlagen, die schon lange nichts mehr zutage fördern; am Land der Teer der Straßen brüchig, die Fassaden der Häuser schrundig, freiliegende Stromleitungen...
Gründungsmythen sind Überlebenskitt. Zumal für eine Theaterfamilie, die jahrelang ein Stadtnomadendasein führt, die unermüdlich Nachkommen heranzieht, Nestflüchtlinge ziehen lässt, und deren Energie sich aus der jugendlichen Rebellion gegen alles Institutionelle speist. Der Gründungsmythos des Jungen Theaters Basel ist festgehalten auf einem Schwarzweißbild mit...
Kein bisschen ist zu spüren vom Schrecken des Eises und der Finsternis in Jörn Klares Monodrama «Höhenrausch». Da schickt er einen Extrem-Bergsteiger hinauf in die absolute Einsamkeit, lässt ihn an Leib und Seele spüren, dass man ein Nichts ist in diesen Weiten und dieser schroffen Leere, über der die Endlosigkeit liegt – und der wackere Kletterer hat nicht viel...
