Gotscheffs Mühle

Das Wiener Zivilisationsmodell setzt sich auch gegen Dimiter Gotscheffs Horváth-Inszenierung «Geschichten aus dem Wiener Wald» im Deutschen Theater Berlin durch

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Zwischendurch nimmt immer mal wieder jeder seinen schwarzen Caféhausstuhl, wirbelt ihn zu einem kleinen einsamen Tänzchen mit sich herum, schreit ein paar seiner schönsten Phrasen der bösartigsten Selbstsucht ins Parkett und serviert dazu eine Portion Grotesk-Pantomime der jeweiligen besonders auffälligen Macken. Dazu gibt gelegentlich eine vierköpfige, vom Schnürboden per Beleuchterbrücke ins leere Bühnenrund gehängte Combo dissonante Eruptionen auf Basis nicht wiedererkennbarer Walzer-Standards zum Besten.

Mit schönster Offenherzigkeit präsentieren sich in Dimiter Gotscheffs Berliner Inszenierung die gierigen Wiener Klein- und Kleinstbürger in ihrer gesammelten Niedertracht und signalisieren jedem, der noch nicht völlig blind und taub ist: Geheimnisse werden hier nicht gemacht. 

 

Horváths Volksstück in drei Teilen von 1931 ist ein unverwüstlicher Oldtimer des kritischen Theaters: die schaurige Abrichtung der maßvoll widerspenstigen Marianne durch Vater, Bräutigam, Geliebten, Freunde, Tanten und ein weiteres halbes Dutzend menschenverachtender Egoisten nebst den widrigen wirtschaftlichen Verhältnissen, bis aus dem süßen Wiener Mädel eine wehrlos zugerichtete Ehefrau geworden ist. ...

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Theater heute August/September 2005
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Franz Wille

Vergriffen
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