Glück auf!
Nach der missglückten deutschen Erstaufführung am Berliner Deutschen Theater (s. Th 1/14, S. 35) zeigt in Hamburg Anne Lenk, wie Martin Crimps «In der Republik des Glücks» auf dem Theater funktioniert. Kleines Geheimnis ihres großen Erfolgs: Man muss Figuren, um sie zu kritisieren, sehr ernst nehmen. Dann übernehmen sie das mit der Kritik ganz von selbst.
Zum Beispiel der tiefe, unerschütterliche Ernst, mit dem Hans Löws Papa beim katastrophal entgleisenden Weihnachtsmahl das Essen in sich einfüllt: ein circa halbstündiges, hochkonzentriertes akribisches Kauen und Schlucken, Nachgreifen und Tellerfüllen, eine minutiöse, hamsteremsige, dabei eigentlich gar nicht übertriebene Esslust, an der alle Enthüllungen, Beleidigungen, Zusammenbrüche abgleiten wie ein warmer Soßenlöffel. Man muss danach nichts erklären von kleinbürgerlicher Fassadenfähigkeit, patriarchalem Niedergang, verlogener Moral oder dysfunktionalen Familien, man möchte einfach noch eine Schüssel Rotkohl dazustellen.
Oder Daniel Lommatzsch als Onkel Bob, wenn er mit einem wohldosierten Hans-Albers-Dröhnen eintritt, um gute 20 Minuten lang im Auftrag seiner Gattin Madeleine dieser faulen, verrotteten Familienidylle zum ...
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Theater heute März 2014
Rubrik: Chronik: Hamburg, Thalia, Seite 57
von Franz Wille, Falk Schreiber
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Das neue Gorki brummt. Jeder einzelne Abend sei ausverkauft, strahlt Chefdramaturg Jens Hillje. Das Publikum ist um gefühlte zwanzig Jahre verjüngt. Nicht nur an diesem Abend, zweite Vorstellung von Falk Richters «Small Town Boy», mit dem das sehr gezielte Anpeilen von (riesengroßen) Randgruppen, die das Gorki unter Shermin Langhoffs Intendanz seit November...
