Getanzt wie gemalt
Malen: nichts anderes als ein choreografischer Akt? So wie der Kunstkritiker Bülent Gündüz die Entstehung eines Bildes beschreibt, erscheint die Vorstellung nicht abwegig. «Mal holt er zu weiten Gesten aus, dann wieder bedient er sich stakkatohafter, kurzer Bewegungen. Plötzlich schnellt der Arm nach vorn, der Oberkörper folgt. Er unterbricht kurz sein Schaffen, um innezuhalten, verharrt in gespannter Konzentration, dann geht er erneut daran, Farbe auf die Leinwand zu schleudern. Der Prozess wirkt wie der rituelle Tanz eines Schamanen.
Wie in Trance starrt er mit ernster Miene auf das fertige Bild, bewegt sich mit prüfendem Blick um die Leinwand herum. Irgendwann ging es ihm nur noch um die Wirkung von Farbe und Oberfläche, um die Einarbeitung von Bewegung und Rhythmus in seine Werke.»
Leinwand als Haut: Pollock in Heidelberg
Jackson Pollock wie er leibt und lebt. In seinen Bildkompositionen hat der US-Amerikaner (1912 – 1956) die eigenen Spuren hinterlassen, meist wild bewegt in ihrer Farbigkeit, oft trotzig hingetropft, mit dem Spachtel provozierend aufgeschichtet, bisweilen anschließend mit dem Messer geschlitzt, als wäre die Leinwand nichts anderes als eine Haut, deren ...
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Tanz Januar 2025
Rubrik: Kunstträume, Seite 12
von Hartmut Regitz
Exquisite Einstudierung einer verhängnisvollen Affäre beim Bayerischen Staatsballett: Pierre Lacottes choreografische Rekonstruktion von Filippo Taglionis «La Sylphide» zeigt die Kompanie von ihrer besten Seite. Kurz vor der Hochzeit gibt James das irdische Glück im trauten schottischen Landhaus auf, verliert Verstand und Braut und immer wieder höchst virtuos die...
Alle paar Jahre entdecken Museen, städtische Galerien oder Kunsthäuser, dass Tanz doch eigentlich ein attraktiver Gegenstand ist: so alt wie die Menschheit selbst, überall anzutreffen, vielfältig in jeder Hinsicht, politisch von (linker) Protestform bis (kreuzbürgerlichem) Debütant*innenball ein Aktivposten und immer wieder als Fortschrittsdynamo für die Kunst im...
Maria Callas und Mikhail Baryshnikov waren für die Hauptrollen in Richard Strauss’ «Josephs Legende» mit dem Ballett der Wiener Staatsoper vorgesehen, als ich das Angebot ablehnte, das Werk zu choreografieren. Dann habe ich es mir anders überlegt. Zunächst als Gefallen für einen österreichischen Schauspieler, in den ich verliebt war, nahm ich die Herausforderung an...
