Gegen die Wand
Es gibt wenige zeitgenössische Texte, deren Theatertauglichkeit so wenig augenfällig ist wie Maggie Nelsons «Bluets»: ein schmaler, 2009 erschienener Band, der auf 100 Seiten 240 Prosaminiaturen versammelt, die man als Liebeserklärung an die Farbe Blau lesen kann, mal zögernd, mal drängend, immer mäandernd, tastend. Ein schöner, kluger, streckenweise brüllend komischer Text, der Kunstgeschichte, Neurowissenschaft, Literaturtheorie, Pop und Genderscience streift und dabei zu einer Poetologie des Begehrens wird. Aber definitiv kein Theaterstück.
Im Malersaal des Hamburger Schauspielhauses hat Katie Mitchell «Bluets» auf vier Stimmen verteilt. Wobei die Aufteilung nicht ganz gleichberechtigt ist: Paul Herwig strukturiert Nelsons Vorlage, indem er die Kapitel nummeriert, Yorck Dippe spielt Keyboard, Ukulele und Klarinette, Ute Hannig fuhrwerkt zwischen der Bühneninstallation (Alex Eales) herum und leitet beispielsweise blaue Tinte in ein Glas Wasser, was als Livefilm einen hübschen Blaueffekt ergibt. Und Julia Wieninger liest Nelson.
Hin und wieder tauschen die Darsteller die Rollen, auch Herwig darf zeitweise Musik machen, auch Hannig die Kapitel ansagen. Aber im Zentrum steht ...
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Theater heute Mai 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Falk Schreiber
Aachen, Grenzlandtheater
25. McKeever, Danach
R. Udo Schürmer
Aachen, Theater
2. Küspert, Der Westen
R. Ruth Messing
10. Haidle, Für immer schön
R. Malte C. Lachmann
11. Horváth, Kasimir und Karoline
R. Michael Helle
Altenburg/Gera, TPT
12. Kressin, Als der Herzog über den Herzog herzog (U)
R. Caro Thum
Augsburg, Sensemble Theater
4. Seidel, Frankenstein unlimited (U)
R....
Da haben sich Theater und Autorin gefunden: Zum dritten Mal seit 2016 kommt in Baden-Baden ein Stück der Australierin Joanna Murray-Smith auf die Bühne, und nach dem Nachspielen von «Zorn» und der deutschen Erstaufführung von «Switzerland» ist es diesmal sogar eine deutschsprachige Erstaufführung. Dabei hätte «Nur drei Worte» (uraufgeführt 2017 in Melbourne)...
Die Welt ist eine Vinylscheibe. Eigentlich längst am Ende, aber vielleicht geht ja noch was. Wie in «Das Leben des Vernon Subutex», Virginie Despentes’ fulminanter Roman-Trilogie über Absturz und Auferstehung eines Pleite gegangenen Schallplattenhändlers, der zum DJ-Gott für eine verkrachte Generation um die 50 wird, die den harten Aufschlag ihrer Träume in der...
