Gegen Bewegung
Eine Minute kann lang sein, wenn der eigene Kopf auf einem Ausstellungssockel liegt. Dabei an die eigene Verdauung zu denken, wie es neben der anleitenden Skizze steht, lässt die Zeit nicht schneller vergehen. Und wenn man dabei auf dem Kopf noch eine WC-Ente balanciert, scheint die Zeit still zu stehen. Auch mit einem Gummiband zwischen den großen Zehen und dem Titel «Dehnung des Wiener Rings» im Hinterkopf ziehen sich die Sekunden wie Kaugummi. Oder einfach mal für eine Minute: «Be a dog».
Stillhalten ist genauso ungewohnt wie die Rolle als Skulptur.
Ins Museum geht man eher mit der Erwartung, Kunst anzuschauen und nicht selbst als Kunstwerk ausgestellt zu sein. Was auf der Skizze witzig aussah, wird innerhalb kürzester Zeit zu einem grotesken Bild, das sich im eigenen Kopf einstellt, wenn man beginnt, den Raum um sich herum und die eigene einminütige Position darin wahrzunehmen. Umgeben von altmeisterlichen Gemälden wird das Verharren in sinnlosen Haltungen noch absurder. Eine «One Minute Sculpture» definiert sich nicht über Farbauftrag, Duktus und Komposition, sondern Körper, Zeit und Raum.
Was klingt wie Konzentrationsübungen für einen Schauspielworkshop, sind Anweisungen für ...
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Theater heute Juni 2014
Rubrik: Magazin: Performance, Seite 62
von Judith Engel
Seit über einem Jahr wird verhandelt, aber ein Urteil ist nicht in Sicht. Der Prozess schleppt sich zäh durch tagelange Verhöre mit Handlangern aus dem Dunstkreis des rechten Untergrunds, die sich an kaum etwas erinnern können oder wollen. Akribisch gründlich arbeitet das Münchner Oberlandesgericht, um wenigstens jetzt Licht in das verbrecherische Schattendasein...
Außenseiter Adam ist tot. Bei der Mutprobe ist er von einem hohen Gitter gestürzt. Nun sitzen seine zehn Mitschüler in der Patsche. Schnell müssen sie die Polizei auf eine falsche Fährte locken. Dummerweise findet sich ein Unschuldiger, der dem ausgedachten Täterprofil entspricht. Und dann taucht plötzlich auch noch der totgeglaubte Mitschüler wieder auf.
Regisseur...
Herbert Fritsch was here. Das war 2010, Fritsch inszenierte in Schwerin Hauptmanns «Biberpelz», zunächst nicht gerade begeistert aufgenommen; aber nach der Einladung zum Theatertreffen 2011, dem Startschuss für Fritschs fulminante Spätkarriere landauf, landab, sind die Spuren, die er in MeckPomm hinterließ, unübersehbar. Er selber hat zwar nur noch einmal dort...
