Gegen Bewegung

Mal für eine Minute Skulptur sein – diese avanciert performativ Idee hatte Erwin Wurm schon vor 20 Jahren

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Eine Minute kann lang sein, wenn der ei­gene Kopf auf einem Ausstellungssockel liegt. Dabei an die eigene Verdauung zu denken, wie es neben der anleitenden Skizze steht, lässt die Zeit nicht schneller vergehen. Und wenn man dabei auf dem Kopf noch eine WC-Ente balanciert, scheint die Zeit still zu stehen. Auch mit einem Gummiband zwischen den großen Zehen und dem Titel «Dehnung des Wiener Rings» im Hinterkopf ziehen sich die Sekunden wie Kaugummi. Oder einfach mal für eine Minute: «Be a dog».

Stillhalten ist genauso ungewohnt wie die Rolle als Skulptur.

Ins Museum geht man eher mit der Erwartung, Kunst anzuschauen und nicht selbst als Kunstwerk ausgestellt zu sein. Was auf der Skizze witzig aussah, wird innerhalb kürzester Zeit zu einem grotesken Bild, das sich im eigenen Kopf einstellt, wenn man beginnt, den Raum um sich herum und die eigene einminütige Position darin wahrzunehmen. Umgeben von altmeisterlichen Gemälden wird das Verharren in sinnlosen Haltungen noch absurder. Eine «One Minute Sculpture» definiert sich nicht über Farbauftrag, Duktus und Komposition, sondern Körper, Zeit und Raum.

Was klingt wie Konzentrationsübungen für einen Schauspielworkshop, sind Anweisungen für ...

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Theater heute Juni 2014
Rubrik: Magazin: Performance, Seite 62
von Judith Engel

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