Gefährdete Egos
Die hohe unnatürliche Sterberate unter Shakespeares englischen Renaissance-Königen ist historisch schnell erklärt. Sie waren notorisch wackelige Machthaber, die sich jenseits der eigenen Ritterschar weder auf ein großes stehendes Heer noch auf nennenswerte Polizeitruppen oder eine entwickelte Bürokratie stützen konnten. Eine kleine Verschwörung untreuer Lords, ein aus dem Ruder gelaufener Aufstand oder ein kleines Attentat mit Gift oder Dolch – schon wurden die Karten unter den mächtigen Lokalfürsten neu gemischt.
Hinzu kamen die Systemfehler erblicher Monarchien, die von politischen Ehen und möglichst männlichen Thronfolgern abhängen, was schnell zu dynastischen Komplikationen führen kann. Gott war zu dieser Zeit zwar noch nicht tot, aber zumindest in Fürstenkreisen längst zum politischen Vorwand geworden. Alles in allem lässt sich an Shakespeare schön beobachten, wie ein weitgehend moralfreies politisches System, das auf Ehrgeiz, Gewalt und der Macht des Stärkeren baut, wie so ein pausbäckiger Darwinismus Stück für Stück an sich selbst zugrunde geht. Schon aus diesen Gründen war König in England eine nachhaltig ungesunde Existenzform.
Das erklärt aber nur zum Teil die Probleme ...
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Theater heute Januar 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Franz Wille
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