Geduldsproben
Okay, die Hoffnung stirbt zuletzt. Das gilt auch für ein Interview mit Benjamin Millepied. Zweimal hat er den Termin verschoben. Sicher ist nur, dass er an diesem Abend die Vlaamse Opera in Antwerpen betreten wird, um mit «Bach Studies» seine neueste Choreografie aus der Taufe zu heben. Zwei Tage vorher, bei der Generalprobe, war er noch allerbester Stimmung.
Thronte in der Mittelloge des ersten Rangs, unterhielt sich angeregt mit dem Ballettmeister, zeterte «Bullshit», als das Orchester recht geräuschvoll den ohnehin schon störend illuminierten Graben verließ, krittelte an dem einen oder anderen Kostüm aus dem Hause Ermenegildo Zegna herum – und ließ sich doch die Laune nicht verderben. Die tags darauf angesetzten Journalistengespräche scheinen ihm aber zu später Stunde das Gemüt verdunkelt zu haben. Der Pressemann der Vlaamse Opera – ein Herr von bewundernswerter Geduld! – übermittelt Storno No 1: «Treffen einen Tag später,- 6 p.m.» Also zwei Stunden vor der Premiere? Wenn das mal gutgeht. Folgt Storno No 2: Aus 18 Uhr soll 19 Uhr werden – genau sechzig Minuten, bevor der Vorhang hochgeht?! «Bitte nicht, das wird zu knapp.» Der Journalistin steht der Angstschweiß auf der Stirn. ...
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Tanz August/September 2019
Rubrik: Menschen, Seite 20
von Dorion Weickmann
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