«Gastfreundlichkeit ist bei uns nicht Sitte!»
Solch ein Eiserner Vorhang ist ein hübsches Ausschlussinstrument. Olga (Cathérine Seifert) und Barnabas (André Szymanski) haben irgendwie einen Weg nach vorn entdeckt, jetzt stehen sie an der Rampe und kommen nicht zurück. Also wenden sie sich ans Publikum, an den Fremden, und dem erzählen sie die Geschichte vom Feuerwehrfest: Wie einst der Beamte Sortini ihrer Schwester Amalia auf besagtem Fest ein unsittliches Angebot gemacht habe, wie Amalia dieses Angebot zurückgewiesen habe und wie daraufhin das gesamte Dorf die Familie geschnitten, sie zu Aussätzigen gemacht habe.
Und der Fremde versteht, wo er hier gelandet ist: unter Duckmäusern, die in vorauseilendem Gehorsam die Existenz einer Familie zerstören, als Strafe für ein Vergehen, das im Grunde gar kein Vergehen ist.
Dass Antú Romero Nunes bei seiner Inszenierung von Franz Kafkas Romanfragment «Das Schloss» am Hamburger Thalia Theater die (in der Vorlage eher periphere) Geschichte eines sexuellen Übergriffs als Einstieg wählt, hat zwei Effekte: Nunes lenkt so den Blick weg von der allzu naheliegenden Interpretation des Romans als Satire auf überbordende Bürokratie, hin zum sozialen Mikrokosmos Dorf. Und er etabliert durch die ...
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Theater heute August/September 2016
Rubrik: Aufführungen/Neue Stücke, Seite 10
von Falk Schreiber
Ein schmaler Junge eilt entschlossen einer ungewissen Zukunft entgegen. Sein Ziel liegt in Finsternis, unerreichbar womöglich, aber was stört das einen, der die Lederjacke so offen und die Mundwinkel so rebellisch verschlossen trägt. Dass er seinem Gestus der Siebenmeilen-Slowmotion zum Trotz auf der Großen Bühne des Theaters Basel praktisch auf der Stelle...
Silvia Fenz schien sich ausschließlich von Luft und Liebe zu ernähren, so zart und klein sah sie aus. Dabei hatte ihr die Liebe persönlich gar nicht so viel Glück gebracht. Seit ich sie kennengelernt hatte, vor mehr als 20 Jahren, war sie auf der Suche nach ihr und hat sie, die einmal Verlorengegangene, doch nie so richtig wiedergefunden. Vielleicht inhalierte sie...
Die meist älteren Damen und Herren des Publikums hatten es sich im gedämpften Deko-Klassizismus des oberen DT-Foyers bequem gemacht, der Hausherr Ulrich Khuon sprach zur Eröffnung vom Theater, in dem es auf jeden Fall ums Ganze, mindestens aber den ganzen Mensch und die ganze Welt gehe, und alles wartete nur noch gespannt auf die obligatorische...
