Fressen und gesungen werden
Finster geht es zu am Meeresgrund, und das nicht nur, weil keine Sonne durchdringt. Auch emotional wird’s höchstens grau. Man entsteht halt, treibt ein bisschen Symbiose, frisst wen auf und wird gefressen. Schlechtgelaunte Zeitgenoss:innen könnten es dabei belassen, weil es spätestens in kosmischem Maßstab ja auch die Menschheit hier oben nicht besser hat: ein kurzes Aufblitzen im beinahe ewigen Nichts. Oder aber: Man macht’s wie Felix Rothenhäusler und lässt die Leute singen.
Mit «Wasserwelt.
Das Musical» beendet der Bremer Hausregisseur seine dreizehnjährige Forschungsreise. Doch bevor Rothenhäusler zur nächsten Spielzeit die Intendanz des Theaters Freiburg übernimmt, kommt hier noch einmal alles zusammen, was seine Arbeiten ausmacht: als Stillleben auf der von Katharina Pia Schütz gestalteten Drehscheibenbühne hochgradig komprimiertes Theater, das die Natur in ihrer so faszinierenden wie herzlosen Gesetzmäßigkeit durchleuchtet. In diesem Fall das kleine Tiefsee-Ökosystem um einen Schwarzen Raucher, eine Thermalquelle, die Partikel und Wärme in die Finsternis rotzt und damit Leben und Arten stiftet, bis sie wieder versiegt und alle sterben.
Aber von wegen Musical: Zwischen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Jan-Paul Koopmann
Der Hase ist von Anfang an da. Das Ich, das von sich und vom ihm erzählt, staunt und berichtet. Ab geht es durch das Dach, hoch in die Luft. Dann auf das Feld. Die beiden, das Ich und der Hase, sind in einem Leihwagen namens Hollywood als Traumfabrik unterwegs.
Die Prosa schlägt Haken, gibt zunächst keine eindeutigen Angaben zu ihrem Wirklichkeitsstatus durch. Ist...
In einem Alpendorf geht alles den gewohnten Gang. Die Bäckerin wühlt in Teigschlieren, die Bankangestellte schafft Geld beiseite, die Mesnerin hält Kontakt zu höheren Mächten. Alle drei sortieren untereinander ihre Affären, derweil sitzt der Jäger daheim und masturbiert im Beisein des einzigen Gefährten, eines sprechenden Hundes. Der Chor der Handball spielenden...
Eigentlich sollte man grundsätzlich jeden Abend ins Theater gehen – als Kritiker:in sowieso –, aber wenn dort um 20:30 Uhr der Blick ins Handy verspricht, dass der Finanzminister gerade gefeuert wurde und die Regierung am Ende ist, während aus der Ukraine nur schlechte Nachrichten kommen und der nächste amerikanische Präsident seit dem frühen Morgen Donald Trump...
