Freie Szene: Adieu, Durchlauferhitzer
Hast Du die ‹Situation mit ausgestrecktem Arm› im HAU gesehen?», fragt mich eine Kollegin nach dem Eröffnungstag des 100° Berlin Festivals. «Das soll nämlich richtig gut gewesen sein.»
Mit großer Wahrscheinlichkeit löst diese Frage beim Vier-Tage-Marathon des freien Theaters ein Krisengefühl aus. Die Gefragte saß zu diesem Zeitpunkt beispielsweise im Shuttle zu den Sophiensaelen, um eines der sechs Parallelereignisse zu scouten. Das einmalig Beste findet grundsätzlich da statt, wo man selber gerade nicht ist.
Eine Zuschauer-Disposition, die die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts kultiviert hat – absolut kompatibel mit dem damals die Szenen beherrschenden Berlin-Gefühl. Das dramaturgische Geheimnis dieses Gefühls bestand schon immer auch in der schieren Quantität paralleler Spaß- und Selbstverwirklichungsverheißungen, weshalb selbst die Existenz faktischer Mittelmäßigkeit die Utopie des scheinbar unbegrenzten Möglichkeitsraums nicht trüben konnte.
Relikt aus anarchischen Zeiten
Deshalb war der unkuratierte Freie-Szene-Durchlauferhitzer 100° – der gerade zum zwölften und letzten Mal das Hebbel am Ufer, die Sophiensaele und das ...
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Theater heute April 2015
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Anja Quickert
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«Zwei Uhr nachts» geht der Karriere-Streber X «noch einmal die Listen für den nächsten Tag durch». Sein Kollege Y «kloppt» unterdessen seinen «Hass auf die Welt in die Kommentarspalten von Süddeutsche, Spiegel online und Tagesschau.de». Und der aus dem Schlaf hochschreckenden Business-Frau Z dämmert plötzlich, dass es so «einfach nicht mehr weiter» geht.
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