Dortmund: Und täglich grüßt der Loop
«Wenn Gott die Wiederholung nicht gewollt hätte, hätte er die Welt nicht erschaffen», verkündet der Erklärbär – und das hat er vom Existenzphilosophen Sören Kierkegaard geklaut. Zum besseren Verständnis untermalt das flauschige, aggro-besserwisserische Vieh jedes Wort mit einer Cheerleader-Geste und wiederholt das Ganze mehrfach, bis Rotkäppchen – «ich bin frei, ich bin ein Individuum» – zur Kalaschnikow greift und ihn mit einer Salve niedermäht. Endlich Ruhe.
Da öffnet sich die holzverkleidete Aufzugtüre im ersten Stock (Bühne und Kostüm Pia Maria Mackert), eine Kopie des Bären tappt heraus auf die Showtreppe, zeigt herrisch gen Himmel und grollt, «Wenn Gott die Wiederhooolung ...». Stoppen kann ihn nur einer, Regisseur Kay Voges, der in dieser mutigen, turbulenten Versuchsanordnung über Loops und lineares Erzählen, über Original, Kopie und Genie im Zeitalter endloser Datenströme live Regie führt.
Vom Zuschauerraum aus kompiliert Voges das intertextuelle Mash-up aus 100 möglichen Szenen jeden Abend neu. Zur Wahl stehen epochemachende Zitate, die Tagesschau, die Bibel, aber auch Theaterklassiker wie Dantons Klage über die nervtötende Redundanz des Alltags, oder Wladimirs Wunsch ...
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Theater heute April 2015
Rubrik: Chronik, Seite 46
von Cornelia Fiedler
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