Frankfurt: Sehnsucht nach Monstern
Im Wasserbassin stampfen, treten, stöhnen und schreien vier Schauspielerinnen und vier Schauspieler. Die Männer treiben die Frauen an: «Come on!», schreien sie, «weiter!» Mit Kraft, Zorn und Lebenswillen feuern sie die Kranken an, feuern sie an in ihrem Kampf gegen den Krebs. In der dunklen Weite des Bockenheimer Depots sind nur die Leiber der Spieler*innen erleuchtet, wie ausgeschnitten bewegen sie sich in der Schwärze, in den hell aufspritzenden Wasserfontänen, die wie von selbst ihr faszinierendes Spiel entfalten.
Nass kleben ihnen die Kleider am Leib, werfen Falten von skulpturaler Schönheit. Dieser energische Wut-Chor in der Mitte der Inszenierung ist ein energetischer Höhepunkt, an dem sich die Zeichen, die sich vorher elegisch entfalteten, und die Spieler*innen, die sich zuvor im Bassin verstreuten, zusammenfinden, zusammenrotten und verdichten. Und doch vermag er den Abend nicht zu retten, um in der Terminologie zu bleiben: Wie bereits am Anfang von «Wut und Gnade» klar ist, dass Treya sterben wird, so ist auch klar, dass die Anmut des Abends nicht über seine Banalität hinweghelfen wird.
Doch: Darf man das überhaupt? Eine Inszenierung über Krebs banal nennen? Man darf, ...
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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Esther Boldt
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Vier Aktivisten, schutzatmosphärisch in Kapuzenanzüge verpackt. Vier identische Tischblöcke, als Laborfläche wie als Schreibdesk nutzbar. Mehr braucht es in der Vorstellung des ungarischen Regisseurs András Dömötör offenbar nicht, um die ewig erregungssüchtige digitale Öffentlichkeit mit dem nächsten Scoop zu versorgen.
Tarifpolitisch korrekt steht dem anonymen...
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