Figurentheater: Maschine kann warten
Wie verhält es sich eigentlich mit der Quote bei den Puppen? Nein, hier wird nicht gefragt, ob die Parität gewahrt bleibt und endlich im selben Verhältnis männliche (also der Kasper zum Beispiel) und weibliche (etwa die Gretel) künstliche Wesen auf den Bühnen der Figurentheater vorkommen. Viel interessanter ist, wie sehr schon die digitale Welt in diesem doch immer ein wenig hermetischen Genre angekommen ist, das seit Menschen Gedenken die Gedanken der Menschen in spielerisch putzigen Szenen an Fäden und Stangen vorführte.
Also: hat der Roboter die Marionette verdrängt?
Wer vom Internationalen Figurentheaterfestival der Städte im Großraum Erlangen-Nürnberg kommt, kann bilanzieren, dass sich etwa ein Drittel der Künstler ausschließlich den neuen Medien widmet und digitale Fragen und Möglichkeiten in den Mittelpunkt der Arbeiten stellt. Das wirkt etwas schüchtern, verrät, dass man im Figurentheater noch weit davon entfernt ist, die modernen Techniken selbstverständlich einzusetzen: Lieber imitiert man hier nach wie vor die Wirklichkeit im Kleinen und Falschen mit klaren Wiedererkennungseffekten (Nikolaus Habjan mit «Böhm»), erweckt das Eigenleben von Alltagsdingen und analogen ...
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Theater heute Juli 2019
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Bernd Noack
Wie leicht es doch ist, aufzufallen in unserer (selbsterklärtermaßen) toleranten, offenen Gesellschaft! Ein ungewohnter Laut im Theater, ein Zucken des Kopfes in der U-Bahn, ein unkontrollierter Ausruf am Strand: Menschen mit Tics können ein Lied davon singen. Leises Pfeifen, Zungenschnalzen und Miau-Laute sind der Sound, mit dem «Chinchilla Arschloch waswas....
Sie sind noch einmal davongekommen. Vor einigen Jahren sollten die Theater in Neustrelitz und Neubrandenburg, die seit 2001 bereits gemeinsam bespielt werden, mit den ebenfalls schon fusionierten Häusern in Greifswald und Stralsund in einen großen Theaterkonzern verrührt werden. Allerdings erkannten die Kulturpolitiker in Mecklenburg-Vorpommern den Unsinn dieser...
Am Ende singen alle «Fuck all the perfect people», und man weiß nicht so recht, ob man da vielleicht selber gemeint ist oder doch nur das Theater, das sich bemüht, einen klassischen Text halbwegs vernünftig und verständig über die Rampe zu bringen. Einigermaßen perfekt halt und mit mitdenkenden Leuten, die in ihren Rollen noch Charaktere sehen, denen das Erzählen...
