Figurentheater: Maschine kann warten

Beim internationalen Figurentheatertreffen in Erlangen-Nürnberg spielt das Digitale nur ausnahmsweise eine prominente Rolle

Theater heute - Logo

Wie verhält es sich eigentlich mit der Quote bei den Puppen? Nein, hier wird nicht gefragt, ob die Parität gewahrt bleibt und endlich im selben Verhältnis männliche (also der Kasper zum Beispiel) und weibliche (etwa die Gretel) künstliche Wesen auf den Bühnen der Figurentheater vorkommen. Viel interessanter ist, wie sehr schon die digitale Welt in diesem doch immer ein wenig hermetischen Genre angekommen ist, das seit Menschen Gedenken die Gedanken der Menschen in spielerisch putzigen Szenen an Fäden und Stangen vorführte.

Also: hat der Roboter die Marionette verdrängt?

Wer vom Internationalen Figurentheaterfestival der Städte im Großraum Erlangen-Nürnberg kommt, kann bilanzieren, dass sich etwa ein Drittel der Künstler ausschließlich den neuen Medien widmet und digitale Fragen und Möglichkeiten in den Mittelpunkt der Arbeiten stellt. Das wirkt etwas schüchtern, verrät, dass man im Figurentheater noch weit davon entfernt ist, die modernen Techniken selbstverständlich einzusetzen: Lieber imitiert man hier nach wie vor die Wirklichkeit im Kleinen und Falschen mit klaren Wiedererkennungseffekten (Nikolaus Habjan mit «Böhm»), erweckt das Eigenleben von Alltagsdingen und analogen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2019
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Bernd Noack

Weitere Beiträge
Unter Druck

Henning Bochert Frau Stolowitz, Ihr Stück befindet sich bei New Dramatists (New York City) und dem Artists Repertory Theater (Portland, OR) in der Entwicklung und wurde Anfang Mai in szenischer Lesung bei New Dramatists vorgestellt. Was hat Sie auf die Idee zu «Recent Unsettling Events» gebracht?

Andrea Stolowitz Ich unterrichte an mehreren Universitäten. Mir war...

Flugreisende auf Sinnsuche

Eine Million Euro weniger, das ist nicht gut. Gar nicht gut. Sparzwänge sind das Letzte, da gibt es kein Ge-Wenne und kein Ge-Abere. Aber wenn – jetzt ist es raus – aber wenn gespart werden muss, dann so, wie es Olaf Kröck und Jan Hein als neues Leitungsteam der Ruhrfestspiele versuchen. Der ehemalige Hauptsponsor Evonik hatte für das Jahr 2019 massive Kürzungen...

Die Wurzelgrabung

In Fjodor Dostojewskis 1866 erschienenem Roman «Schuld und Sühne» begeht der Jurastudent Raskolnikow einen politisch motivierten Mord, dessen krude Gedankenbasis uns Kindern des 20. und 21. Jahrhunderts leider vertrauter ist, als wir das gern hätten. Intellektuell hochbegabt, aber ökonomisch unterprivilegiert, wird Raskolnikow in seiner ärmlich-abgerockten...