Fiebertraum

Rausch, Rache und Rave: Bruno Bouché und das Ballett Chemnitz lassen «Caravaggio oder Die Stille unseres Herzschlages» leuchten

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Der 18. Juli 1610 ist einer dieser sengend heißen Tage, an denen die Luft über dem Mittelmeer zu stehen scheint. Kein Schatten schützt die Gestalt, die am Strand von Porto Ercole im Sand kauert. Der Mann ist abgerissen, ausgehungert und dehydriert, der Wind des Todes hat ihn schon fast über die Schwelle ins Jenseits geweht. Es bleiben ein paar Stunden, vielleicht nur Minuten, um auf das Leben zurückzublicken, das er verhauchen wird.

Ein wildes, ungestümes Dasein, überdehnt und überspannt, voller irrwitziger Begegnungen, Sehnsucht und unbezähmbarer Leidenschaft: eine sündhaft schwule Existenz nach den offiziösen Maßstäben der Kirche, an die sich freilich der Klerus selbst nicht hält. Nicht umsonst hat der Sterbende immer wieder im Schoß der Sancta Ecclesia Zuflucht gefunden, hat reiche Gönner, Patrizier und Priester mit dem Stoff versorgt, nach dem sie süchtig lechzen: Heiligenbilder, Hurenantlitze, Heilandsfolter, Himmelsqualen. Und bildschöne Knaben. Michelangelo Merisi da Caravaggio, 1571 geboren, zählt zu den Genies der vor- und frühbarocken Welt, die von Pest, Inquisition und Hexenprozessen erschüttert wird. Selbst in den letzten Atemzügen ist er auf Augenhöhe mit seiner Zeit: ...

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Tanz Mai 2026
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Dorion Weickmann

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