Fehlerhaft schön

Elektrotechnik und Psychologie: Thomas Palzers Hör-Essay «Magnetische Erinnerung»

Theater heute - Logo

Nur 47 Minuten und 23 Sekunden dauert Thomas Palzers Feature über die Elektrifizierung des Wissens, und wenn man nach dem Hören den erstaunt geöffneten Mund wieder zuklappt, dann weiß man, dass man eine verdichtete Informationsmenge aufgenommen hat, die die eines normalen Features in der Standardlänge von 54:30 bei weitem übertrifft. Zeit also, das eigene Gedächtnis zu scannen, um herauszufinden, was man da eigentlich gehört hat.

 
 

«Magnetische Erinnerung» hieß das Stück, das technische und psychische Entwicklungen der Moderne zusammendenkt, und hineingerissen in den Taumel seiner beschleunigten Stimmen wird der Text zwar nicht zum Rauschen, seine Rezeption aber rauschhaft. Verantwortlich dafür ist der Kölner Feature-Regisseur Detlef W. Meissner, der Palzers Vorlage für den Westdeutschen Rundfunk umgesetzt hat. Vier Sprecher (Heiko Obermöller, Udo Thiess, Alexander Khuon und Stephan Preiss) werden wie die Schreib-/Leseköpfe einer Festplatte inszeniert. Wenn es in der Hast des fast synchron ablaufenden Lese- und Sprechvorgangs zu Versprechern oder Aussetzern kommt, der Ist-Wert also nicht mit dem Soll-Wert übereinstimmt, springt der Sprecher zurück und korrigiert seinen Lesefehler. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2006
Rubrik: Medien/TV, Seite 65
von Jochen Meißner

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Die Elfi packt das schon»

Wenn die Klavierschülerin Elfriede Jelinek übte, standen die Fenster der Wohnung weit offen. Draußen war es laut, alle paar Minuten rumpelte die Straßenbahn die abschüssige Laudongasse im achten Bezirk hinunter. Im Haus gegenüber befand sich ein zwielichtiges Café, Männer gingen ein und aus, um per Tischtelefon Damenbekanntschaften zu machen. Ein Ventilator blies...

Die süße Last des leichten Aufstiegs

Woody, der Unglücksrabe» nannte der deutsche Verleiher Allens «Take the money and run», als er 1975 mit sechs Jahren Verspätung in die deutschen Kinos kam. In den Jahren zuvor war Woody Allen mit Filmen wie «Was Sie schon immer über Sex wissen wollten» und «Der Schläfer» als anarchischer Slapstick-Komödiant bekannt geworden, worin der Grund für die vorgebliche...

Das Private ist politisch!

Es muss eine unbezähmbare Sehnsucht nach Repräsentation gewesen sein, die den Regie führenden Intendanten Stephan Märki antrieb, Schillers Trauerspiel in ein (falsch verstandenes) Schleef-Korsett zu pressen. Mancher Verpflichtung war da ja gerecht zu werden: Weimar, die Klassikerstadt, Ort der Uraufführung, dazu die Dimension des Hauses, auch wenn das nicht...