Fehlerhaft schön
Nur 47 Minuten und 23 Sekunden dauert Thomas Palzers Feature über die Elektrifizierung des Wissens, und wenn man nach dem Hören den erstaunt geöffneten Mund wieder zuklappt, dann weiß man, dass man eine verdichtete Informationsmenge aufgenommen hat, die die eines normalen Features in der Standardlänge von 54:30 bei weitem übertrifft. Zeit also, das eigene Gedächtnis zu scannen, um herauszufinden, was man da eigentlich gehört hat.
«Magnetische Erinnerung» hieß das Stück, das technische und psychische Entwicklungen der Moderne zusammendenkt, und hineingerissen in den Taumel seiner beschleunigten Stimmen wird der Text zwar nicht zum Rauschen, seine Rezeption aber rauschhaft. Verantwortlich dafür ist der Kölner Feature-Regisseur Detlef W. Meissner, der Palzers Vorlage für den Westdeutschen Rundfunk umgesetzt hat. Vier Sprecher (Heiko Obermöller, Udo Thiess, Alexander Khuon und Stephan Preiss) werden wie die Schreib-/Leseköpfe einer Festplatte inszeniert. Wenn es in der Hast des fast synchron ablaufenden Lese- und Sprechvorgangs zu Versprechern oder Aussetzern kommt, der Ist-Wert also nicht mit dem Soll-Wert übereinstimmt, springt der Sprecher zurück und korrigiert seinen Lesefehler. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Fünf Personen – drei Männer, zwei Frauen – in identischem Outfit: dunkle Trainingshosen und Jacken, die geometrisch mit fluoreszierenden Streifen abgeklebt sind, Kapuzen, darunter gelbe T-Shirts und Stoffturnschuhe. Als ob das noch nicht genug an Uniformierung wäre, sind auch die Gesichter maskenhaft auf stereotype Gleichheit hin aufgeschminkt. Diese Leute hören...
Die Pubertät als Zeit der naturwüchsigen Rebellion ist hierzulande seit längerem eine aussterbende Lebensphase. Sage und schreibe 70 Prozent aller deutschen Jugendlichen wollen ihre Kinder haargenau so erziehen, wie sie selbst groß geworden sind, fand die 14. Shell-Jugendstudie 2002 heraus. Die Revolte ist, wenn sie überhaupt stattfindet, auf die Fußballplätze...
Vom Gerede geprägt, gestempelt und verletzt. Geschlagen von Worten» – so fühlen sich die drei älteren Schwestern in «The New Electric Ballroom», mit dem Enda Walsh jüngst zum ausländischen Dramatiker des Jahres gekürt wurde. Um der Schlagkraft der Worte, dem dörflichen Tratsch zu entfliehen, haben sie sich ganz von der Außenwelt zurückgezogen, «um für immer drinnen...
