Expedition zu den Grundfragen
Die Welt der Eltern ist groß. Es gab die Angst, nicht Herr über das Thema
zu werden. Das Material vermehrte sich, wuchs; die elektronischen Notizbücher mit einer unüberschaubaren Zahl an Links schwollen an, die vielen Zettel und Verweise, ausgelegt auf dem Boden, bereit, zu einem Teppich verwoben zu werden, nahmen viele, zu viele Quadratmeter ein. Verzweiflungsschübe, Kampfansagen, Selbstüberlistungsversuche. Erschrecken vor den Lebensirrtümern, den politischen Illusionen. Leiden an der eigenen Verlogenheit. Vergossenes Herzblut. Eine Odyssee.
So beschreibt Nis-Momme Stockmann die Arbeit an seinem Stück «Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir». Für sie hatte er sich zurückgezogen aus einem Betrieb, der ihn bereits adoptiert hatte als Hoffnungsträger und außerordentliche Begabung – die er ist, zweifellos. In Interviews wehrte er sich gegen die dumme Kultur der Verortung, des Verstehens und der Nutzbarmachung, ließ verlauten, die ersten Stücke, für die er geliebt wurde, interessierten ihn nicht mehr. Stattdessen: Der Gedanke dürfe in keine verständliche Dramaturgie gezwängt werden, sondern müsse entfesselt, diskursiv kreisend und uneindeutig sein. Die Kritik hat ...
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Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 170
von Judith Gerstenberg
Zielstrebig steuert Herbert Fritsch auf den Tisch zu, über dem der Monitor hängt. Hier, gleich gegenüber vom Tresen in der Volksbühnenkantine, wollen wir reden: über den Bühnenbildner Herbert Fritsch. Wir wollen reden, aber über uns hängt der Monitor. Und da läuft das, was oben im Theater gerade das Publikum zum seligen Grinsen bringt: «Murmel Murmel», Fritschs...
David Mamet sorgte 2008 mit einem Artikel, den er unter dem etwas reißerischen Titel «Why I Am No Longer a Brain-Dead-Liberal» im New Yorker Magazin «The Village Voice» veröffentlichte, für Furore. Er sagte sich darin von der idealistischen Linken los, für die er sich ein Leben lang eingesetzt hatte, und machte sich für die Argumente der Vertreter des neoliberalen...
Wir sind alle Künstler, wir haben es nur noch nicht alle bemerkt. Und wir sind es nicht mehr freiwillig, wir müssen es sein. Kreativität ist längst eine Leitforderung unserer Gesellschaft: kein Unternehmen, kein Selbstunternehmer, kein Produkt, das nicht in permanenter Innovation, Abweichung, Verbesserung sein Heil sucht. Aber was bedeutet das für das Vor- und...
