Erinnerungsschluchten
Wie schön sich der Muezzin anhört, der aus dem weißen Grab aus Laken singt. Eine ferne Erinnerung für Ramie (Patrick Berg), der in der syrischen Stadt Homs einst für Demokratie kämpfte und es nun über das Mittelmeer geschafft hat, gelben deutschen Käse isst und von Kardamomkaffee und seinen toten Freunden träumt.
«The Trip» von Anis Hamdoun ist eine ergreifende und melancholische Hommage an die Toten des Syrienkriegs und die Ratlosigkeit des Überlebenden: Unter dem Lakenquadrat hervor kommt Sarah (Anja S.
Gläser), die so gerne Ärztin werden wollte und vergewaltigt im Gefängnis endete. Ihr Bruder Saleem, der während des arabischen Frühlings zum Filmemacher wurde, umkreist rastlos die Zuschauerreihen. Fast erstaunt konstatieren sie, wie schnell und brutal ihre Träume beendet sind. Die Szenen von Ramies Freund Mohammed, der Bauingenieur werden wollte und von einer Granate getroffen wurde, gibt es nur als Video aus Jordanien zu sehen, so, wie Flüchtlinge Freunde und Familie eben oft nur noch auf kleinen Bildschirmen erleben. Elegant finden die Osnabrücker und der in Syrien sehr bekannte Schauspieler Nawar Bulbul zusammen, der heute im Flüchtlingscamp Zaatari, wo er mit Kindern große ...
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Theater heute November 2015
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Dorothea Marcus
His highness is not well.» Das kann man laut sagen. In Justin Kurzels Verfilmung der Tragödie von Macbeth wird allerdings meistens geflüstert. Es ist, als wäre die Welt da draußen, dieses majestätisch unheimliche Schottland, hinter einem Spiegel, in dem sich die Figuren mit fröstelndem Erstaunen mustern. Sind wir das, die all diese Dinge tun? Die immer neue Leichen...
Da stehen sie auf der Bühne. 23 Personen, davon sechs Schauspieler, der Rest Laien – und singen. Es ist eine Art chorischer Sprechgesang, den Marta Górnicka mit ihrem Ensemble eingeübt hat. Wie in ihrem festivalerprobten polnischen Frauenchor «Magnificat» oder «Requiemmaszyna» (s. TH 2014/10, S. 21) sind die Töne und Nuancen verwoben zu einem Klangteppich. Und wie...
Hin und wieder kommt es vor, dass in alten Bibliotheken Partituren barocker Komponisten oder auf Dachböden Gemälde alter Meister gefunden werden. So etwas Ähnliches ist jetzt mit einem Stück des am 26. August 2005 verstorbenen Grazer Dramatikers Wolfgang Bauer geschehen. Bei den Vorbereitungen für eine Ausstellung über den steirischen Komponisten Franz Koringer...
