Emotionaler Hardrock
Nächste Saison geht Jörg Pohl nach Hamburg. Weg von Zürich. Leider. Denn selten trifft man in einem Theater auf einen jungen Schauspieler wie ihn, von dem man bei der ersten Begegnung denkt: «Klar, hochbegabt», und bei der zweiten: «Hm, vielleicht sogar genial?», und bei der dritten: «Okay, zweifellos genial.» Einen, dem man gerne noch jahrelang zuschauen möchte, beim Wachsen, beim Älterwerden, beim Zweifeln, vielleicht auch ausnahmsweise einmal beim Scheitern – und immer wieder beim Brillieren.
Jörg Pohl ist einer, der die schwierigsten Rollen mit einer intelligenten Leichtigkeit in unerwartete Höhen stemmt. «Richtig Arbeit ist es für mich eigentlich nicht. Das ist ja ein großer Genuss, eine Lust und ein Privileg», sagt er dazu, «aus Texten werden Menschen, das ist ein total schizophrener und wunderbarer Vorgang, überraschend und absurd.»
Exzessive Borderliner: Dostojewskis Idiot und Burgess’ Alex
Stimmt. Denn da war Jörg Pohl in der letzten Saison als Alex in «Clockwork Orange» nach Anthony Burgess (Regie David Bösch) und als kindlicher Fürst Myschkin aus «Der Idiot» von Dostojewski (Regie Alvis Hermanis), zwei riesige, ungeheuer textlastige Rollen, die er mit einer ...
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Dass Torberg immerhin auch dafür sorgte, dass sich der Nachruhm des wunderbar kauzigen austriakischen Dichters Fritz von Herzmanovsky-Orlando bei einem breiteren Publikum entfalten konnte, nahmen die wenigen Kenner von dessen Werken ihm eher übel – weil er sie sprachlich geglättet, mehr ins Witzige eines einverständlichen Humors transkribiert hatte. Der bedeutende...
Es war einmal die Paradedisziplin von Botho Strauß: Paare in ihren nicht mehr ganz frischen Jahren, anmutig überkreuz oder nebeneinander verzwirbelt im Beziehungsdickicht der bundesdeutschen Achtziger. Saturierte Selbstbeobachter schlugen ihre vielfach gebrochenen Spiegelkabinette auf, sorgsam arrangiert vor tragisch mythischen Abgründen. Die Stücke entfalteten...
Der Mann hat ein gutes Verhältnis zu seinem Bauch. Gemeint ist nicht der Bauch, der bei Klaus Maria Brandauer in den vergangenen Jahren deutlich an Umfang gewonnen hat. Sondern der, der ihn auf der Bühne im richtigen Augenblick das Richtige tun lässt – ein behendes Tänzchen, ein undurchdringliches Lächeln, ein schalkhaftes Schäkern mit dem Publikum. Gemeint ist der...
