Eine deutsche Saga

Christoph Nußbaumeders «Eisenstein»

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Eisenstein gibt es wirklich: Ein 1000-Einwohner-Dorf in Niederbayern, unmittelbar an der Grenze zu Tschechien. Die Homepage der Gemeinde wirbt mit sauberer Luft, landschaftlicher Schönheit und dem Spruch «Eisenstein liegt nicht irgendwo, sondern mittendrin». Womit in erster Linie der Bayerische Wald gemeint ist. Doch durch seine Grenzlage war Eisenstein auch ein Mosaikstein im Spiel des Kalten Krieges.

Die Gemeindechronik verzeichnet gleich zweifach hohen politischen Besuch: Im Jahr 1954 schaut Bundespräsident Theodor Heuss in Eisenstein vorbei (privat, zur Erholung im örtlichen Sporthotel, «wo er ein paar wunderschöne Tage verlebt») und 1991 Bundeskanzler Helmut Kohl (dienstlich, zur feierlichen Wiedereröffnung des grenzüberschreitenden deutsch-tschechischen Eisenbahnverkehrs).

Genau auf diesem Terrain, irgendwo zwischen ländlicher Idylle und deutschem Geschichtsbewusstsein, lässt Christoph Nußbaumeder sein Stück beginnen, das er virtuos Schritt für Schritt zu einer großen Saga zweier zerrissener Familien entwickelt, deren Geschichte und Glückssuche er über einen Zeitraum von 60 Jahren erzählt. Und ganz nebenbei und gänzlich unaufdringlich erzählt er dabei durch seine Figuren auch ...

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Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 191
von Thomas Laue

Vergriffen
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