Ein Wunsch
Bei Männern kennt Myrtha bekanntlich kein Pardon. Welches Mannsbild sich auch immer in den Wald wagt, es wird von ihren Wilis zu Tode getanzt. Gnadenlos. Eiskalt führt Elisa Carrillo Cabrera in der Deutschen Oper Berlin ihre weißen mörderischen Frauen an, auf dass sie Hilarion, diesem Dummkopf, den Rest von Atem nehmen.
Unberührt, entrückt schaut sie ins Publikum, bewegt, scheinbar, nur durch die Füße auf Spitze – wunderschön und gefährlich zugleich, wie eben die Königin im Reich der Untoten, die mörderische Gegenspielerin der unschuldigen «Giselle», 1841 von ihren romantischen Vätern Jules-Henri Vernoy de Saint-Georges, Théophile Gautier und den Choreografen Jean Coralli und Jules Perrot gezeichnet wurde.
Nur wenige Tage davor sitzt dieselbe Frau mit mir an einem Tisch im Restaurant der Deutschen Oper und sagt: «Ich bin eigentlich eine sehr glückliche Person. Ich mag keine Konflikte und lebe gerne in Frieden mit den Menschen um mich herum.» Sie kommt soeben von der Probe zu «Giselle» und wird, eben in wenigen Tagen, in Patrice Barts Fassung die Myrtha geben. Ein hartes Stück Arbeit, das ihr keine Ruhe lässt: «Myrtha ist eine der härtesten Rollen für Frauen im Ballett», sagt sie. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Januar 2020
Rubrik: Menschen, Seite 26
von Lilo Weber
Musicals
Sie erfreuen sich beim Publikum allergrößter Beliebtheit, gelten aber als künstlerische Federgewichte. Sind Musicals noch zeitgemäß? Fragen wir angesichts einer neuen «West Side Story», die Anne Teresa De Keersmaeker und Ivo van Hove am Broadway herausbringen Szene aus «West Side Story»
Annabelle Lopez Ochoa
In Brüssel als Tochter einer belgischen...
Was gerade in Belgien passiert, hat sich schon lange angekündigt. Rechtspopulisten haben es überall und zu jeder Zeit verstanden, dass Einflussnahme auf die Kunstförderung ein wichtiges Instrument zur Verbreitung ihrer nationalistischen Ideologien ist. Nicht nur in Belgien: Die Niederlande, Polen, Ungarn haben es vorgemacht. Auch in Deutschland nimmt in einigen...
Giselle
Es ist ja nicht so, dass das Moskauer Bolschoi einen Mangel an «Giselle»--Versionen zu beklagen hätte. Seit 1986 war Yuri Grigorovichs Fassung in -regelmäßigen Abständen zu besichtigen, 1997 gesellte sich noch Vladimir -Vasilievs Interpretation hinzu. Trotzdem sah Ballettchef Ma-khar Vaziev nach zwanzig Jahren Ergänzungsbedarf – und beauftragte einen...
