Abschied: Hermann Rudolph
«Ich wünschte mir Tänzer, die sehr gut klassisch ausgebildet sind und die einen ganz offenen, wachen Geist haben, die mutig sind, Neues zu probieren, die sich Experimenten öffnen und keiner Konvention verhaftet sind.» So umschrieb Hermann Rudolph einst im Gespräch mit Marion Kant, was er als wesentliche Inspirationsquelle seiner Arbeit betrachtete.
In Chemnitz geboren, prägte er das choreografische Profil des Theaters seiner Heimatstadt und schuf ein reichhaltiges Repertoire für die Staatsoper Berlin, darunter Kammerballette wie «Psychogramme», aber auch die überaus erfolgreiche Ballettkomödie «Die drei Schwangeren». Am 4. November ist Hermann Rudolph, bis zuletzt kritisch am Tanz-Geschehen teilhabend, 84-jährig in Berlin gestorben.
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Tanz Januar 2020
Rubrik: Side Step, Seite 16
von
CD des Monats: Beethoven meets Cuba
Das Booklet kennt nur einen einzigen Komponisten: Ludwig van Beet-hoven. Der allerdings würde sich wundern, wie sich seine Werke ohne sein Zutun weiterentwickelt haben. Sein Klavierstück «Für Elise» maskiert sich hier nicht mehr als «Afrolise» wie noch auf einem der ersten Alben von Klazz Brothers & Cuba Percussion, sondern...
Giselle
Es ist ja nicht so, dass das Moskauer Bolschoi einen Mangel an «Giselle»--Versionen zu beklagen hätte. Seit 1986 war Yuri Grigorovichs Fassung in -regelmäßigen Abständen zu besichtigen, 1997 gesellte sich noch Vladimir -Vasilievs Interpretation hinzu. Trotzdem sah Ballettchef Ma-khar Vaziev nach zwanzig Jahren Ergänzungsbedarf – und beauftragte einen...
Später, nach der Aufführung, als die jugendlichen Zuschauer gemeinsam mit den Performern auf dem Boden sitzen und über das Stück reden, stellt eine Tänzerin eine Porzellanschale mit Mehlwürmern in die Mitte. Und präsentiert damit das Objekt, mit dem sie persönlich Sex assoziiert. Eine Mischung aus Faszination und Freude, aus Neugier und Schaudern strahle es für sie...
