Der Performer und Regisseur Xavier Bobés, geboren 1977 in Barcelona, erforscht seit einigen Jahren alle Arten von Alltagsgegenständen. Foto: Euro Scene Leipzig 2017
Ein Gefühl der Traurigkeit
Torben Ibs Die Vorkommnisse rund um die mögliche Unabhängigkeit Kataloniens mit Referendum, Unabhängigkeitserklärung und schließlich der Anwendung des Artikels 155 der spanischen Verfassung, mit dem die Zentralregierung die Autonomie der Region ausgesetzt hat, haben auch international für Aufsehen gesorgt. Wie steht die Kulturszene zu diesem Thema?
Xavier Bobés Die meisten Theaterleute wollen den Dialog. Es geht darum, eine Brücke zu bauen, um einen wirklichen Dialog zu schaffen.
Diese ständige Polarität «Bist du für oder gegen die Unabhängigkeit?» muss aufhören. Es gibt aber auch Künstler, die sich klar für die Unabhängigkeit aussprechen. Nach dem Generalstreik und der Verhaftung der katalanischen Politiker verurteilten die Theater und Festivals in einer gemeinsamen Stellungnahme alle Maßnahmen, die einen Dialog erschweren.
Ibs Sie leben in Girona, eine der Hochburgen der Separatistenbewegung, arbeiten aber auch in Barcelona. Wie wird die aktuelle Situation in den beiden Städten wahr genommen?
Bobés In Barcelona gibt es sicher eine höhere Anspannung. Dort finden die großen Demonstrationen statt, die Polizeikontrollen, dort ging auch die Nationalpolizei brutal gegen das ...
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Theater heute Dezember 2017
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Torben Ibs
Jonas Hassen Khemiri, hierzulande bekannt durch Stücke wie «Invasion» oder «ungefähr gleich», geht in seinem neuen Roman sehr freigiebig mit dem Personalpronomen «ich» um. So freigiebig, dass das erste Viertel von «Alles, was ich nicht erinnere» weitgehend dafür benötigt wird, um sich einigermaßen zu orientieren. Als erzählendes «Ich» darf sich nämlich jeder...
Kaum ein Begriff sei in den vergangenen Jahren so inflationär ge- und gern auch mal missbraucht worden wie der Terminus «performativ», stellen Florian Malzacher und Joanna Warsza zu Beginn des von ihnen herausgegebenen Buches «Empty Stages, Crowded Flats – Performativity as Curational Strategy» fest. Und geben – als kuratorisch praktizierende Betroffene mit...
Auch Gazprom hatte seine Finger (oder Gelder) im Spiel, verrät der Abspann nach 130 «Mathilde»-Minuten. Wie auch das Bolschoi-Theater und sein Chef Wladimir Urin, der gerade in vorauseilendem Gehorsam die Premiere des «Nurejew»-Balletts, inszeniert von Kirill Serebrennikow, abgesagt hat. Man kann nur spekulieren, aber manches spricht dafür, dass diese...
