Ein fürsorglicher Herbergsvater
Der Meister lud zur Bauprobe – ein Vorgang, bei dem Schauspieler kaum vonnöten sind; es geht um technische Dinge, Sichtlinien und dergleichen, ein erstes Kennenlernen der baulichen Begebenheiten eines Bühnenbildes. Doch diesmal war alles anders, und so sollte es den gesamten Produktionsprozess über bleiben.
An der Brandmauer, ganz hinten in diesem riesigen Bühnenhaus, stand ein mir bis dahin noch nicht bekannter Schauspieler, nackt.
«Herr Dings, stellen sie sich neben ihn, verführen sie Herrn X.
»
Ich, verständlicherweise sehr irritiert, stellte mich erst vor, um dann dem Kollegen im direkten Anschluss halbherzig an die Brust zu fassen, eine Entschuldigung stammelnd.
Immer wieder neue Lichtstände, meterlange Seidenbahnen werden durch den Raum gezogen, Arrangements werden ausprobiert, schon ist man Teil eines ungeheuren Gestaltungswillens.
Wenige Tage danach ein Brief mit handgezeichneten Skizzen des Meisters von seinen Probeneindrücken, dazu eine Zeile: «Bitte bleiben Sie dabei, mit herzlichem Gruß.»
Was für ein Geschenk, man war gemeint. Monate später dann eine vorher nie erlebte Probenintensität, einerseits der unbedingte Wille, eine Vision ästhetisch und inhaltlich ...
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