Ein Bombenfund
Manchmal freilich brach es aus ihm heraus: «Ich hasse sie», begrüßte er dann einen der ihn besuchenden Journalisten. Oder er begründete akribisch, warum er dafür sei, George Orwell für dessen «1984» zu töten – fünf Jahre nach dessen natürlichem Tod. Oder er trickste die zahlreichen Kritiker, die ihm im Hotel in Mailand auflauerten, aus, ließ sich unter Hinweis auf seine Herzkrankheit entschuldigen und brach mit Frau und Tochter durch die Hintertür zum einsamen Spaziergang durch das verschneite Mailand auf.
Meistens aber erschien er den Wenigen, die nach seiner Rückkehr aus dem Exil zu ihm vorgelassen wurden, so wie sein Galilei den Bewachern, die ihn nach seiner Abbitte bespitzelten: Als eine Art von «Wanderbruder» oder «Mönch» einer «Sekte», unauffällig gekleidet in seiner achtlos wirkenden grauen «Litewka», schüchtern, wortkarg, ein Gesprächspartner, dem man Äußerungen, die zitierfähig waren, geradezu aus der Nase ziehen, entreißen musste.
Kein Zweifel: Bertolt Brecht, der berühmte Lyriker, Theaterrevolutionär, «Stückeschreiber», Theoretiker, Essayist und Romanautor, der in den Gesprächen seiner Jugend als Provokateur, Heißsporn und gewitzter Dialektiker glänzte, war als älterer ...
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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Theatergeschichte, Seite 42
von Nikolaus Müller-Schöll
Das Leben ist ein Fest, und die schönste Rolle, die man dabei spielen kann, ist die der Gastgeberin. Das strahlt in vergnügtester Weise Wiebke Puls aus, wenn sie zehn Minuten vor Beginn der Vorstellung durchs Foyer der Münchner Kammerspiele schwebt – im schulterfreien, ausladenden Ballkleid, weiße Blüten auf schwarzem Grund, mit einem Kasten Bier auf der Schulter...
Nach den Vorwürfen gegen Till Lindemann, den Sänger der Band Rammstein, wird niemand auf die Idee kommen, die nun mindestens des Machtmissbrauchs gegenüber jungen Frauen verdächtige Praxis des Rockstars sei ein gutes Zeichen, um es musi -kalisch auf die Bühne zu holen. Vorerst kein Rammstein mehr als akustisches Kokain aus den Theaterlautsprechern. Denn die Musik...
DUISBURG, LIEBFRAUENKIRCHE
12.8.–23.9., My Body Is Not An Island Eva Kot'átková
Die tschechische Künstlerin Eva Kot’átková entwickelt nach Stationen in Bordeaux und Prag eine ortsspezifi -sche Version von «My Body Is Not An Island»: Ein dekonstruierter, gigantischer Körper – teils Tier, teils Mensch – aus einem Metallgerüst geschweißt, über -dimensionale...
