Ein Bombenfund
Manchmal freilich brach es aus ihm heraus: «Ich hasse sie», begrüßte er dann einen der ihn besuchenden Journalisten. Oder er begründete akribisch, warum er dafür sei, George Orwell für dessen «1984» zu töten – fünf Jahre nach dessen natürlichem Tod. Oder er trickste die zahlreichen Kritiker, die ihm im Hotel in Mailand auflauerten, aus, ließ sich unter Hinweis auf seine Herzkrankheit entschuldigen und brach mit Frau und Tochter durch die Hintertür zum einsamen Spaziergang durch das verschneite Mailand auf.
Meistens aber erschien er den Wenigen, die nach seiner Rückkehr aus dem Exil zu ihm vorgelassen wurden, so wie sein Galilei den Bewachern, die ihn nach seiner Abbitte bespitzelten: Als eine Art von «Wanderbruder» oder «Mönch» einer «Sekte», unauffällig gekleidet in seiner achtlos wirkenden grauen «Litewka», schüchtern, wortkarg, ein Gesprächspartner, dem man Äußerungen, die zitierfähig waren, geradezu aus der Nase ziehen, entreißen musste.
Kein Zweifel: Bertolt Brecht, der berühmte Lyriker, Theaterrevolutionär, «Stückeschreiber», Theoretiker, Essayist und Romanautor, der in den Gesprächen seiner Jugend als Provokateur, Heißsporn und gewitzter Dialektiker glänzte, war als älterer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August-September 2023
Rubrik: Theatergeschichte, Seite 42
von Nikolaus Müller-Schöll
Pläne der Redaktion
Sommerzeit, Festivalzeit: Neues aus Salzburg und Avignon, von Theater der Welt in Frankfurt/M., Kampnagel in Hamburg und dem Zürcher Theaterspektakel
Die ukrainische Autorin Natalia Vorozhbyt hat den Krieg in der Ukraine seit 2014 in ihren Stücken begleitet. Ihre Texte wurden in der Ukraine, Russland, Litauen, Polen, Großbritannien, Deutschland,...
Am besten hat die Exilerfahrung wohl die aus Uganda geflohene Aktivistin und Lyrikerin Stella Nyanzi auf den Punkt gebracht, in einem ihrer mitreißenden, in Deutschland entstandenen Gedichte: «Exil, das ist ein Ort zum Atmen: ah und uh.» Ein leicht befreiendes Ah und ein leicht schmerzliches Uh. Gemischtes Gefühl also. Im Exil verliebt sich ihre Tochter in...
Anna
Ronja
Aylin
Charifa
Melanie
Maria
Frauenhaus-Mitarbeiterin
Arbeitgeberin
Ärztin
Nachbarin
Chor
Inversion-Girl
Nicht nur die Täter drehen ihre Berichte so hin, wie sie gerade wollen, auch Inversion-Girl kann alles umdrehen
1 ANNA – DER ANTRAG
Anna
Fängt an ohne Gruß
Fängt an ohne SEHR GEEHRTE FRAU
Ohne GUTEN TAG
Fängt an mit Ohne
GENEHMIGUNG OHNE...
