Eier auf Glatzen
Formbewusst in der Arbeit, analytisch scharf im Denken – das sind so Markenzeichen der Regisseurin Thirza Bruncken. Hartnäckiges Pusseln in den Unterschichten des Textes, Insistieren auf der pointierten Gestalt. Hier in Weimar, konfrontiert mit dem betulichen Familienschwank des gerade zwanzigjährigen Goethe, muss ihr die Entschlossenheit zur strengen Form allerdings ziemlich aus den Fugen geraten sein. Allerdings bleibt ihr Misstrauen gegen das Harmoniebedürfnis der kleinen Leute – also das unsrige – radikal.
Diesen ganzen Psycho-Müll, den die dreiköpfige Wirtsfamilie nach jedem Krach eilfertig unter den Teppich zu kehren gewillt ist, wird ihr zum brauchbaren Stoff für die Farce. Schließlich hat Goethe schon in jungen Jahren sein Interesse für die aus Italien herüber schwappende Commedia dell’arte zu Protokoll gegeben, samt karnevalesker und grotesker Elemente. Und in diesem zweiten von insgesamt drei Versuchen, der Story habhaft zu werden, hält er das chaotische Gemütsleben der Figuren mit jambischem Versmaß fein unter Verschluss. Da ist archäologischer Spürsinn gefragt.
In der eher dürftigen Absteige «Zum schwarzen Bären» – Robert Ebelings aufwändig-rustikales Holzmobiliar nimmt ...
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Die Räuber» sind vor allem auch der Seelenerguss eines Zwanzigjährigen im Kampf gegen die Überväter. Annette Pullen, 32, hat Schillers Sturm-und-Drang-Moritat vor allem als geradezu zeitgeistiges psychologisches Familiendrama gelesen, als Saga um Maximilian Moor, Patriarch im Maßanzug, und seine beiden Söhne Karl und Franz.
Frauen sind in dieser Welt, in...
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Nichts fühlt sich blöder an in einem Kritikerleben, als wenn man gegen den Erfolg anschreibt. Dort entsetzt zu tun, wo viele andere entzückt sind. Quengeln, wenn die Quote stimmt. Man ist dann auf verlorenem Posten. Was soll man denn sagen, wenn einer in den ersten vier Monaten seiner Intendanz 23.000 Zuschauer mehr hatte als sein Vorgänger? Die Leute werden...
