Edelste Regung

nach Oscar Wilde «De Profundis» am Berliner Ensemble

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«Jetzt erkenne ich, dass der Schmerz als die edelste Regung, deren der Mensch fähig ist, gleichermaßen Urform und Prüfstein aller großen Kunst ist.» Oscar Wilde schrieb diesen Satz während seines zweijährigen Zuchthausaufenthalts an seinen einstigen Geliebten Lord Alfred Douglas, genannt Bosie. Der «König der Kunstwelt», zu dem der irische Dichter, Dramatiker und Dandy im späten 19.

Jahrhundert geworden war, hatte sich nämlich von dessen Vater provozieren lassen: Nachdem der alte Lord ihn auf einer Visitenkarte als «posing sodomite» bezeichnet hatte, verklagte ihn Wilde – und geriet selbst ins Visier des Gerichts, das den verheirateten Familienvater schließlich wegen Kontakten zu männlichen Prostituierten verurteilte und um Vermögen, Ansehen, Zukunft brachte.

Zweifellos war der Strafvollzug im England des späten 19. Jahrhunderts mit Isolationshaft und Zwangsarbeit maßlos und grausam. In seinem Brief versucht Wilde, die sinnlose Folter dennoch sinnhaft in sein Leben zu integrieren: Der Gedanke, der Schmerz sei die höchste Stufe menschlicher und künstlerischer Vervollkommnung, ist der buchstäbliche Strohhalm, an den er sich klammert. Ein beträchtlicher Teil des unabgeschickten ...

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Theater heute Oktober 2025
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Eva Behrendt

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