Dresden: Politisch und privat
Schwer was los bei Fiesko, dem Grafen von Lavagna (Christian Erdmann): Die Upperclass zu Genua hat sich ums gräfliche Designer-Tischchen zum Flaschendrehen versammelt – wobei sich It-Girl Julia (Karina Plachetka) schwer enthemmt als Flasche zur Verfügung stellt. Fiesko-Gattin Leonore (Ines Marie Westernströer) hottet unterdessen im hochpreisigen Silber-Top ab, während der Meister selbst im semitransparenten Hemd am Plattenteller steht.
Keine Frage: Derart zwangsverruchte Machteliten-Orgien kriegt man nur im Theater zu sehen! Und für diejenigen, zu denen trotzdem noch nicht durchgedrungen ist, dass es sich bei Dekadenz, schlüpfrigen Entgleisungen und Edeldrogenmissbrauch auf jeden Fall um schmutzige Privilegien derer «da oben» handelt, steht am Schiebetür-Eingang des zylinderförmigen Fiesko-Saales (Bühne: Marc Bausback) vorsichtshalber ein Hinweisschild: «Geschlossene Gesellschaft».
Auch ansonsten streicht Jan Philipp Gloger in seiner Schiller-Inszenierung «Die Verschwörung des Fiesko zu Genua» auf der großen Bühne des Staatsschauspiels Dresden das Nächstliegende heraus. Der undurchsichtige, jüngst zum «Lebemann» mutierte Fiesko, den die republikanisch besorgten Nobili anno 1547 zur ...
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Theater heute Mai 2015
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Christine Wahl
Alvis Hermanis mag die Menschen nicht, wie sie so vor ihm stehen. Er mag sie nur verfremdet. Über Umwege. Mit extremen Masken. Alt. Uralt. Zu diesem Schluss muss man jedenfalls kommen nach seinem «Kaspar Hauser» 2013 und seinen «Schönsten Sterbeszenen in der Geschichte der Oper» 2015 im Zürcher Schiffbau. Beim Hauser baute er Kinder in Greise um und hängte sie an...
Der Professor aus Syrien will nicht in Deutschland begraben werden. Obwohl er seit 30 Jahren in Braunschweig lebt, haben ihm die Behörden nicht erlaubt, seinen Vater zu einem Besuch einzuladen. Jetzt steht der Mann mit dem altmodischen Sakko wütend auf einem Steg über der Raumbühne und protestiert «gegen diese Behandlung».
Der Professor ist kein echter...
Auen und Wiesen, Paddelboote mit bemützten Männern schlagen kleine Wellen in das ruhige Wasser, die «Weiße Flotte» bringt Eltern mit ihren Kindern in frisch gestrichenen Schiffen an verträumte Orte mit Ausflugslokalen und ganzjährig genutzten Campingplätzen.
Beschaulich, behaglich oder gar betulich sind nicht die üblichen Adjektive für die neue Dramatik, und somit...
