Dramatischer Suchtstoff
Du bist wirklich verrückt geworden, Alfred», diagnostiziert Charlotte absolut zutreffend und klingt dabei eher zoologisch interessiert als irgendwie aufgebracht. Chapeau: Schließlich befindet sich die Mittvierzigerin mit ihrem Gatten auf dem Rückweg ins Hotel nach einem Dinnerausflug, in dessen Verlauf der Inhalt (mindestens) eines Rotweinglases in ihrem Gesicht gelandet war.
Aber während das Ehepaar – unisono im 1,5-Promille-Bereich – auf der Suche nach seinem Zimmer schließlich Arm in Arm durchs aseptische Hoteltreppenhaus irrlichtert (denn gegen die Außenweltzumutungen steht man trotz blutrünstigster Binnenverwerfungen selbstredend vereint wie der Fels in der Brandung), setzt Charlotte doch noch zum Dolchstoß an. «Verrückt», präzisiert sie, meint allerdings schon längst nicht mehr «diese kreativ-lustige Art», die sie ursprünglich mal an ihm – Alfred – «angezogen» habe. Sondern jetzt – und die Lust an der verbalen Gatten-Verzwergung könnte Charlotte tatsächlich nicht deutlicher anzumerken sein – mache sich da «so eine klammernde, grapschende Qualität» breit, «so etwas kläglich nach Luft Schnappendes wie von jemandem, der am Rande einer Klippe hängt und nach Hilfe schreit». Der ...
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Theater heute März 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Christine Wahl
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