Hübsche Dreckswelten

Wiederentdeckungen in Mainz und Wien: Rieke Süßkow inszeniert Hans Henny Jahnns «Der staubige Regenbogen»; Lucia Bihler adaptiert Maria Lazars Roman «Die Eingeborenen von Maria Blut» für die Bühne des Akademietheaters

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Was für eine Wiederentdeckung! Hans Henny Jahnns letztes Theaterstück «Der staubige Regenbogen» strotzt nur so vor dystopischen Visionen und visionären Motiven: Es geht um die menschliche Fähigkeit, sich durch Wissenschaft und nukleare Technik selbst auszulöschen, um Fortschritt durch Kolonialismus und Krieg, um medizinische Experimente und künstliche Intelligenz; nebenbei werden Generationenkonflikte und queere Lebensentwürfe verhandelt.

Im Zentrum stehen der Atomphysiker und Vernunftmensch Jakob Chervat und seine Familie; Chervat wird, als er erfährt, dass eine Explosion in seiner Einrichtung 8000 Tote statt der offiziell behaupteten 78 gefordert hat, vom loyalen Wissenschaftler im Dienste des kriegstreiberischen Regenten Sarkis zum Gegner seiner eigenen Forschung; obendrein sind sein Sohn Elia und seine schwangere Frau Jeanne direkt von Strahlungsfolgen betroffen. Ein Wahnsinnsfund also, aber auch: Was für Dialoge, welch verdruckst-schwärmerische Sexualität, was für ein merkwürdiges Frauenbild! Hier sagen Männer zu Männern Sätze wie «Als noch die Schulbank unsere Schenkel drückte, haben wir einander geliebt», und Mütter zu Söhnen «Ich habe Gewalt über mich. Ich habe den Ausweg ...

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Theater heute März 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 19
von Eva Behrendt

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