Die will nur spielen
Wenn junge Schauspielerinnen ans Burgtheater engagiert werden, fangen sie üblicherweise erst einmal klein an. Oder sie spielen klassische Jungschauspielerinnenrollen wie Julia oder Luise. Stefanie Reinsperger, damals noch 26, debütierte vergangenen September mit dem fünfzehn Minuten langen Solo eines «schwarzen Negers aus Somalia», der sich wegen Piraterie vor einem Hamburger Gericht verantworten muss.
Der absurd komische und grotesk grausame Monolog, mit dem Wolfram Lotz’ postkolonialistische Farce «Die lächerliche Finsternis» beginnt, ist zwar ein toller Text, aber auch so ziemlich die schwierigste Vorlage, die man sich für ein Debüt vorstellen kann. Nicht nur, dass sich eine bitterernste Witzfigur wie diese nicht so einfach herstellen lässt, muss man sich auch vor den vielen Fallen in Acht nehmen, die in der doppelbödigen Vorlage verborgen sind.
Der junge Mann berichtet davon, wie er und sein bester Freund nicht mehr vom Fischen leben konnten, weil die Meere leergefischt waren, und wie er daraufhin in Mogadischu ein Diplomstudium der Piraterie absolvierte. Und er erzählt von seinem ersten, gründlich misslungenen Kaperversuch, der seinen Freund das Leben gekostet und ihn selbst ...
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Theater heute Mai 2015
Rubrik: Porträt, Seite 41
von Wolfgang Kralicek
Der Widerspruch hielt sich in überschaubaren Grenzen, obwohl die Aufregung natürlich erheblich war, als Frank Castorf im «Zeit»-Interview verkündete, dass der Berliner Senat intensiv nach einem Nachfolger suche. 2017 soll seine dann über 25-jährige Intendantenherrlichkeit ein Ende haben. Ein paar seiner treuesten Fans (inklusive Claus Peymann) klangen eher eitel...
Auen und Wiesen, Paddelboote mit bemützten Männern schlagen kleine Wellen in das ruhige Wasser, die «Weiße Flotte» bringt Eltern mit ihren Kindern in frisch gestrichenen Schiffen an verträumte Orte mit Ausflugslokalen und ganzjährig genutzten Campingplätzen.
Beschaulich, behaglich oder gar betulich sind nicht die üblichen Adjektive für die neue Dramatik, und somit...
Claus Peymann, Chef des Berliner Ensembles und zuverlässiger Hauptstadt-Entertainer, analysierte vor ein paar Jahren in einem Zeitungsinterview sehr unterhaltsam die deutschsprachige Gegenwartsdramatik: «Die reine Flucht ins Private!», stöhnte der 77-Jährige weitgehend datenungestützt auf, um anschließend messerscharf zu konkretisieren: «Es ist immer das Problem,...
