Die wilde Form von Deutschland
Natalie Bloch In Ihrem Stück «Die Reise nach Bugulma» machen sich die tschechischen Protagonisten aus dem von Terroristen zerbombten Europa auf den Weg zurück in den Osten, folgen der vermeintlichen Stimme der Revolution und landen in einem ehemaligen kommunistischen Lager. Dort ist Tauwetter, und Berge von Leichen tauchen aus dem Eis auf. Das sind ja optimistische Perspektiven.
Jachym Topol Vielleicht begegnen sich da zwei Impulse: erstens meine Angst vor der Vergangenheit, die durch die KZs, Gulags und Lager verkörpert wird, zweitens die Angst vor der Zukunft.
Ich habe das Stück geschrieben, kurz nachdem in Holland der Filmemacher van Gogh getötet worden ist. Zu dieser Zeit war ich gerade in den Niederlanden und habe gedacht, hier passiert ja überhaupt nichts, ich möchte nach Hause in meinen wilden Osten, und «peng», in dem Moment fingen die Kirchen an zu brennen und die Leute sind aufeinander losgegangen. Während der Demonstrationen haben die Moslems geschrieen «Wir jagen Euch in die Luft». Das waren Moslems, die in den Niederlanden aufgewachsen waren und die Sprache perfekt konnten. Für mich war es ein totaler Schock. Ich dachte nach meinen Reportagen aus den Krisengebieten ...
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In Mannheim nimmt man es mit den Jahreszeiten nicht so genau. Deshalb kann auch mitten im Winter plötzlich der Herbst ausbrechen. Oder wieder Sommer werden. Der fällt allerdings in der Uraufführung von Rebekka Kricheldorfs «Landors Phantomtod» genauso trist aus wie besagter Herbst. Überall totes Laub und Menschen mit Regenschirmen und -mänteln, die in einer...
Die Besetzung, was die Rollen der Kommunisten angeht», darauf insistierte Müller, sie sei «so jung wie möglich». Begründung: «Sie haben mehr vor als hinter sich.» Als Ruth Berghaus 1973 die Uraufführung des Stückes gegen das penetrante Misstrauen der Kultur-Schickeria durchsetzte, konnte der Vorschlag noch als Vertrauensvorschuss in ein längst morbides...
Achtung, das war gerade ein echter Theaterskandal. Tage-, nein wochenlange Aufregung, jeden Morgen neue Aufmacher und Kommentare, Reden und Gegenreden in den Feuilletons, plötzlich hatte jeder wieder eine Meinung. Und die Folgen sind noch gar nicht absehbar. Möglicherweise steht das gesamte deutschsprachige Regietheater zur Disposition. Sogar die «Bild»-Zeitung war...
