Die Voodoo-Party
Die zahlreichen Begegnungen mit den jeweils neuen Profilen des schwedischen Dramatikers Lars Norén hatten fast den Schock vergessen lassen, der auch viele deutsche Bühnen erfasste beim ersten Blick auf die Fantasien in Noréns Theater der Psychopathologie.
«Nachtwache» war ein Teil davon – im Rückblick und mit dem Abstand von gut zwanzig Jahren interessiert natürlich heute weder die Frage nach den autobiografischen Untiefen und Abgründen in dieser Geschichte um zwei Brüder, die sich samt Ehefrauen um Urne und Asche der gerade verstorbenen Mutter versammeln in einer Nacht der aufgerissenen Herzen, noch die literarhistorische Bindung an die Vorbilder, Strindbergs «Totentanz» etwa oder die extrem haltbare Broadway-Zimmerschlacht «Wer hat Angst vor Virginia Woolf?» von Edward Albee. Als überwältigend stark und äußerst schmerzhaft erweist sich Noréns «Nachtwache» gerade in diesen Zeiten wieder (und in der Inszenierung von Heiko Senst für das «Junge Theater» in Bremen) mit der drastisch gestellten Forscherfrage nach der kollektiven Haltlosigkeit, die hier offenbar zwei fatal verschlungene Partnerschaften in der Nah-Erfahrung des Todes zum Furioso aus Hass und Nicht-Verstehen treibt. Wo ...
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«When the music’s over turn out the lights …»
The Doors
Am Ende liegt Tristan auf dem Parkettfußboden. Isolde hat sich auf das verstellbare Krankenbett geworfen, in dem Tristan zuvor siechend und singend den dritten Akt verbracht hat. Nein, die Liebenden haben nicht zur Vereinigung im Tod gefunden. Das Sterben ist mal wieder nicht gelungen. Die allgemeine...
Der Rhythmus stimmt in diesem Film. Der Sound auch und die Richtung sowieso: Existenzfragen und sozialer wie mentaler Überlebenskampf sind nun mal die Themen dieser Tage (keine Ironie!). Was Gorkis naturalistisches «Nachtasyl» natürlich nicht zum Nachbarschaftsdrama macht, und der Filmregisseur und Drehbuchautor Hardi Sturm, der den Stoff in deutsch-französischer...
Thomas Irmer Gerade erscheint «Amerika» als zweiter Teil einer Kafka-Trilogie mit Philipp Hochmair, dessen «Werther!» (nach Nicolas Stemanns Bühnenversion) vor zwei Jahren die Gründungs-CD beim Label «herzrasen» war. Herzrasen – der Name wirkt etwas irritierend für einen Audio-Verlag. Stehen Sie nicht mit den Monologen nach Kafkas Romanen, die Sie zusammen mit...
