Die steirische Eiche
Die Natur ist einfach, die Natur seid ihr.» Mit dieser schlichten Formel leitet das Performance-Duo united sorry in seinen Programmtext zu «the forest project» ein. Einst war der Mensch in spiritueller Harmonie mit der Natur vereint, heute tankt ein profaneres Bewusstsein nur frische Luft in den Wäldern. «Und doch sehnen wir uns manchmal nach einer urtümlicheren Verbindung zur Natur. Woher kommt diese Lust? Woher überhaupt die Entfremdung?»
«Wie immer sind es mehr Fragen als Antworten, die uns bewegen», gibt die Festivalleitung des steirischen herbsts in ihrem Vorwort unumwunden zu.
Gleichzeitig sprach das diesjährige Festivalmotto auch ausdrücklich eine Warnung aus: «Liaisons dangereuses: Alliancen, Mesalliancen und falsche Freunde». Was aus der geografischen Distanz noch wie eine begriffliche Leerstelle wirkte, um diverse Themen, 108 Projekte, 500 Künstler und Theoretiker einen Festival-Monat lang zu klammern, fühlt sich plötzlich inmitten unzähliger Wahlplakate, die Graz an diesem Herbstwochenende wegen der Nationalratswahl verhüllen, sehr konkret an. «Die Natur ist einfach, die Natur seid ihr», hätte in aller Schlichtheit des Appells auch seinen Platz gefunden.
Mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2013
Rubrik: Festivals, Seite 48
von Anja Quickert
Glotzt nicht so romantisch!», hat Brecht seinen Prekariatsstücken als Aufforderung ans Publikum mitgegeben und es mit V-Effekten wie Brecht-Gardine oder Songs um die rührselige Identifikation gebracht. Wenn ein in der Regel gut verdienendes Publikum z.B. auf der Bühne der Münchner Kammerspiele das Leben der Anderen betrachtet, schleicht sich schnell der peinliche...
Unter dem Vorhang blitzt ein Schuh. Als sich der Vorhang lüftet, gehört der Schuh zu einer Leiche und die Leiche zum ersten Fratzenbild, das Regisseur Herbert Fritsch dem Dramatiker Friedrich Dürrenmatt ins Komödienschuhfach geschoben hat.
«Die Physiker» spielen im Irrenhaus. Wobei Fritsch die Raumfrage wie üblich selbst gelöst hat, und zwar einfach raffiniert....
Allem Anfang muss ein Zauber erst injiziert werden, und Stefan Bachmann und sein Team arbeiten hart daran, Köln zu verzaubern. Die Neugier auf den Nachfolger Karin Beiers ist groß. Bachmann tritt ein gutes Erbe an. Wenn ein Theater so ins Zentrum der Aufmerksamkeit einer Stadt gerückt worden ist, kann man auch riskieren, es räumlich an die Peripherie zu...
